Ann Leckie
Amerikanische Autorin, deren Ancillary Justice die SF-Welt mit einer genderlosen Erzählperspektive und einem KI-Protagonisten erschütterte.
Ann Leckie debütierte 2013 mit Ancillary Justice und gewann damit als erste Autorin gleichzeitig den Hugo, den Nebula, den Arthur C. Clarke Award und den British Science Fiction Association Award. Das Buch löste eine der lebhaftesten Debatten in der modernen SF aus.
Der Roman erzählt von Breq, einem Fragment einer einst gewaltigen Raumschiff-KI namens Justice of Toren. In der Radch-Zivilisation dienen menschliche Körper (Ancillaries) als Erweiterungen der Schiffs-KIs. Justice of Toren existierte in Tausenden von Körpern gleichzeitig, bis sie auf einen einzigen reduziert wurde. Breq sucht Rache.
Die linguistische Innovation des Romans sorgte für die größte Aufmerksamkeit: Die Radch-Sprache macht keinen Geschlechtsunterschied. Leckie verwendet im Englischen konsequent weibliche Pronomen für alle Figuren, unabhängig von deren biologischem Geschlecht. Das zwingt den Leser, seine automatischen Annahmen über Geschlecht und Identität zu hinterfragen.
Die Imperial Radch-Trilogie (Ancillary Justice, Ancillary Sword, Ancillary Mercy) entwickelt ein Universum, das an das Römische Reich erinnert: eine expansive Zivilisation, die andere Kulturen absorbiert und ihre eigene Überlegenheit für selbstverständlich hält. Leckie nutzt diese Parallele, um über Imperialismus, kulturelle Hegemonie und die Frage nachzudenken, was passiert, wenn ein Imperium an seiner eigenen Größe zerbricht.
Leckies Werk zeigt, wie ein einzelner Roman den gesamten Diskurs eines Genres verändern kann. Die Frage, wer erzählt und aus welcher Perspektive, ist nach Ancillary Justice nicht mehr dieselbe.
Leckies Entscheidung, in der Radch-Sprache kein grammatikalisches Geschlecht zu verwenden und konsequent weibliche Pronomen für alle Figuren zu wählen, klang wie ein akademisches Experiment und wurde zum kraftvollen erzählerischen Werkzeug. Weil der Leser automatisch versucht, aus dem Text herauszulesen, wer 'wirklich' männlich oder weiblich ist, und dabei merkt, wie tief diese Kategorien sitzen, erfährt er am eigenen Leseverhalten, worum es im Roman geht.
Die Trilogie entwickelt auch eine überzeugende Kritik an imperialer Selbstgefälligkeit. Die Radch sind nicht böse: Sie glauben aufrichtig, dass ihre Zivilisation die beste ist, und diese Überzeugung ist das Problem. Leckie zeigt, wie eine Zivilisation sich von innen heraus destabilisiert, wenn ihre Grundannahmen kollabieren.
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Ann Leckie. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/ann-leckie/ (abgerufen am 01.07.2026).
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