Annihilation
Alex Garlands Verfilmung von Jeff VanderMeers Roman über eine Expedition in eine Zone, in der die Naturgesetze mutieren.
Annihilation (2018) folgt einer Biologin (Natalie Portman) und vier weiteren Wissenschaftlerinnen, die Area X betreten, eine Zone, die sich seit einem Meteoriteneinschlag ausdehnt und die man den Shimmer nennt. Im Shimmer vermischen sich DNA, Gedanken und Realitäten. Pflanzen wachsen in menschlicher Form, Tiere tragen die Stimmen ihrer Opfer, und die Expeditionsteilnehmerinnen beginnen sich zu verändern.
Der Film basiert auf dem ersten Band von Jeff VanderMeers Southern-Reach-Trilogie, nimmt sich aber erhebliche Freiheiten. Garland, der zuvor Ex Machina inszenierte, schuf einen Film, der weniger an traditionelle SF erinnert als an einen psychedelischen Horrortrip. Die Szene mit dem Bären, der die Schreie seines letzten Opfers reproduziert, gehört zu den verstörendsten Momenten der modernen Filmgeschichte.
Annihilation wurde von Paramount als zu intellektuell für ein breites Publikum eingestuft und international direkt auf Netflix veröffentlicht. Diese Entscheidung wurde von Kritikern und Fans als Fehleinschätzung bewertet. Der Film hat mittlerweile Kultstatus erreicht.
Thematisch behandelt Annihilation Selbstzerstörung, Mutation und die Frage, ob Veränderung gleichbedeutend mit Vernichtung ist. Der Shimmer ist keine feindliche Kraft, sondern ein Spiegel, der alles, was ihn betritt, in etwas Neues verwandelt. Das Ende ist bewusst ambivalent und hat zu endlosen Interpretationen geführt.
Was Garland besonders gelingt, ist die körperliche Fremdheit des Shimmers. VanderMeers Roman arbeitet stark mit Unzuverlässigkeit und Leerstellen. Garland übersetzt das in visuelle Texturen: Menschenpflanzen, Lichtreflexionen, ein humanoider Doppelgänger aus reinem Licht. Das ist nicht erklärbar und soll es nicht sein. Der Film verweigert dem Zuschauer das Sicherheitsnetz der Exposition, und das ist seine Stärke. Man verlässt das Kino ohne Gewissheit, was der Shimmer war, wer die Figur am Ende ist, ob irgendetwas davon real war. Das fühlt sich bei wiederholtem Nachdenken richtiger an als jede Antwort.
Alex Garland hat mit Annihilation, Ex Machina und Devs eine Trilogie des Unverständlichen geschrieben: Filme, die zeigen, was passiert, wenn menschliche Systeme auf etwas treffen, das sich ihrer Kategorisierung entzieht. Bei Ex Machina ist es KI, bei Devs ist es Determinismus, bei Annihilation ist es das Fremde selbst. Das ist ein kohärentes Projekt, und Annihilation ist der radikalste Teil davon.
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Annihilation. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/annihilation/ (abgerufen am 01.07.2026).
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