Persönlichkeit

C. J. Cherryh

Amerikanische Autorin monumentaler Science-Fiction-Zyklen, die fremde Kulturen und Psychologien mit anthropologischer Tiefe und kompromissloser Erzählkunst gestaltet.

Carolyn Janice Cherry, die unter dem Verlagsnamen C. J. Cherryh publiziert, hat über 80 Romane geschrieben und ein Science-Fiction-Universum von seltenem Umfang und Detailreichtum erschaffen. Ihr Alliance-Union-Universum erstreckt sich über Dutzende von Romanen und umfasst Jahrhunderte menschlicher Expansion ins All, den Konflikt zwischen der erdnahen Allianz und der ferneren Union sowie die Entstehung künstlich geschaffener Menschen, der sogenannten Azi.

Downbelow Station (1981) gewann den Hugo Award und zeigt einen Raumstationskonflikt aus der Perspektive gewöhnlicher Menschen, die zwischen die Fronten geraten. Cyteen, ebenfalls mit dem Hugo ausgezeichnet, ist ein dichter psychologischer Roman über genetische Manipulation und die Frage, ob Persönlichkeit reproduzierbar ist. Cherryhs besondere Stärke liegt in der Darstellung des Fremden: Die Chanur-Reihe erzählt Space Opera aus der Perspektive einer katzenartigen Alien-Spezies und macht menschliches Verhalten zum Rätsel.

Die Foreigner-Reihe, die über 20 Bände umfasst, erforscht die diplomatischen Beziehungen zwischen Menschen und den Atevi, einer Spezies, die keine Freundschaft im menschlichen Sinne kennt. Cherryh verlangt ihren Lesern Aufmerksamkeit ab: Sie wirft sie ohne Erklärung in fremde Welten und lässt sie sich selbst orientieren. Dieser Ansatz erzeugt ein Gefühl genuiner Fremdheit, das in der Science-Fiction selten erreicht wird.

Ihre Prosa ist dicht und psychologisch präzise. Cherryh hat drei Hugo Awards gewonnen und wurde 2016 von der SFWA zum Grand Master ernannt.

Die Foreigner-Reihe ist Cherryhs größtes Projekt und ein ungewöhnliches Experiment in langer Erzählung. Jeder der über zwanzig Bände konzentriert sich auf Bren Cameron, den einzigen menschlichen Diplomaten, der im Atevi-Gesellschaftssystem arbeitet. Atevi kennen keine Freundschaft: Ihre sozialen Bindungen basieren auf Loyalität (man'chi), ein Konzept, das sich nicht in menschliche Kategorien übersetzen lässt. Bren versteht das intellektuell, fühlt es aber nicht. Er lebt in einem dauernden Übersetzungsaufwand zwischen zwei Denkweisen.

Das macht die Foreigner-Reihe zu einem der konsequentesten Projekte über First Contact und Interkulturalität in der gesamten SF. Cherryh versucht nicht, die Atevi erklärender zu machen als sie sein sollten. Sie bleiben fremd, auch nach zwanzig Bänden. Bren bleibt ein Vermittler, kein Übersetzer, und der Unterschied ist entscheidend. Er kann die Lücke nicht schließen, er kann sie nur überbrücken, und diese Brücken sind immer provisorisch. Das ist eine Vorstellung von interkulturellem Kontakt, die sowohl für Raumfahrt-Science-Fiction als auch für reale diplomatische Arbeit gilt.

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C. J. Cherryh. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/c-j-cherryh/ (abgerufen am 01.07.2026).

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