Dennis E. Taylor
Kanadischer Autor der Bobiverse-Serie, die Mind Uploading, Von-Neumann-Sonden und interstellare Erkundung mit Humor verbindet.
Dennis E. Taylor war Softwareentwickler, bevor er mit der Bobiverse-Serie (We Are Legion (We Are Bob), 2016) einen unerwarteten Bestseller landete. Die Prämisse: Bob Johansson stirbt, wird kryokonserviert, und sein Bewusstsein wird Jahrhunderte später in eine Von-Neumann-Sonde hochgeladen. Seine Aufgabe: das Universum erkunden und neue Welten für die Menschheit finden.
Das Besondere an der Serie ist der Ton. Bob ist ein Nerd, ein SF-Fan, der plötzlich in einer SF-Geschichte lebt und das auch genau so kommentiert. Er benennt seine Kopien nach SF-Figuren, macht Pop-Kultur-Referenzen und behandelt kosmische Herausforderungen mit dem Pragmatismus eines Softwareentwicklers. Der Humor ist trocken, die Technik überraschend fundiert.
Über mittlerweile fünf Bände (plus Spin-offs) hat sich die Serie zu einer der beliebtesten Self-Published-SF-Reihen entwickelt. Die Bücher behandeln ernsthaft Konzepte wie Von-Neumann-Sonden, relativistische Zeitdilatation, KI-Ethik und die Frage, ob eine Kopie eines Menschen noch dieselbe Person ist.
Taylors Stärke liegt in der Zugänglichkeit. Er erklärt komplexe Physik und Technik so, dass sie verständlich bleibt, ohne vereinfacht zu wirken. Die Bobiverse-Bücher sind Hard SF für Leser, die sonst keine Hard SF lesen.
Mit The Singularity Trap und Outland hat Taylor gezeigt, dass er auch außerhalb des Bobiverse spannende SF schreiben kann. Er repräsentiert eine neue Generation von Self-Published-Autoren, die ohne traditionelle Verlage ein Millionenpublikum erreichen.
Die zentrale philosophische Frage der Bobiverse-Serie ist die Identitätsfrage: Ist eine exakte digitale Kopie eines Menschen noch dieselbe Person? Bobs erste Reaktion, als er erkennt, dass er repliziert wurde, ist Unbehagen. Jede Kopie behauptet für sich, der echte Bob zu sein, und keine ist falsch damit. Taylor löst das Problem nicht, er zeigt es. Die verschiedenen Bobs entwickeln sich unterschiedlich, reagieren anders auf Stress, priorisieren verschieden. Aus einer Person werden Persönlichkeiten, die miteinander konkurrieren und kooperieren, ohne zu wissen, wer von ihnen das Original ist. Das ist die ehrlichste Auseinandersetzung mit Mind-Uploading in der populären SF.
Taylors Hintergrund als Softwareentwickler gibt den technischen Details eine Qualität, die man bei Autoren ohne einschlägige Erfahrung selten findet. Bob debuggt seinen eigenen Code, optimiert Triebwerke wie Programmroutinen, und denkt in Architekturen. Das klingt nüchtern, aber Taylor versteht es, diese Denkweise mit echten Emotionen zu verbinden. Bob ist kein Roboter. Er vermisst Kaffee und soziale Interaktion, leidet unter Einsamkeit auf Lichtjahre-Skala und freut sich über gefundene Planeten wie ein Kind über ein Weihnachtsgeschenk.
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Dennis E. Taylor. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/dennis-e-taylor/ (abgerufen am 01.07.2026).
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