Dredd (2012)
Judge Dredd wie er sein sollte, brutal, kompromisslos und visuell brillant. Karl Urban nimmt den Helm nie ab.
Dredd (2012) ist eine Verfilmung des britischen Comics Judge Dredd und das Gegenteil des campy Stallone-Films von 1995. Karl Urban spielt Judge Dredd, einen Gesetzeshüter in Mega-City One, einer 800-Millionen-Metropole, die die gesamte Ostküste der USA bedeckt. Judges sind Polizisten, Richter und Henker in einer Person.
Der Film spielt an einem einzigen Tag in einem einzigen Wolkenkratzer: Dredd und seine Rookie-Partnerin Anderson (Olivia Thirlby) werden in einem 200-stöckigen Wohnblock eingeschlossen, der von der Drogenbaronin Ma-Ma (Lena Headey) kontrolliert wird. Die Droge Slo-Mo lässt die Wahrnehmung auf ein Prozent der normalen Geschwindigkeit sinken, was Regisseur Pete Travis für visuell atemberaubende Slow-Motion-Sequenzen nutzt. Karl Urban nimmt in der gesamten Laufzeit nie den Helm ab, ein Zugeständnis an die Comic-Vorlage, das Stallone verweigert hatte.
Urbans gesamte Performance kommt über Kinnpartie, Stimme und Körperhaltung. Dredd war ein kommerzieller Misserfolg, was eine Fortsetzung verhinderte, wurde aber zum Kultfilm mit einer leidenschaftlichen Fangemeinde. Der Film beweist, dass ein Science-Fiction-Actionfilm weder ein riesiges Budget noch eine komplexe Mythologie braucht: Eine klare Prämisse, kompromisslose Ausführung und ein perfekt besetzter Hauptdarsteller reichen.
Mega-City One als Setting ist eine eigene Klasse. Crichton, Moebius und das 2000AD-Redaktionsteam haben eine Stadt entwickelt, die alles übertreibt, was an moderner Urbanisierung beunruhigend ist: 800 Millionen Menschen auf der Ostküste, riesige Blöcke, in denen ganze Städte wohnen, chronische Arbeitslosigkeit, eine Polizei, die Polizist, Richter und Henker gleichzeitig ist. Das ist Satire, auch wenn Dredd selbst keine Witze macht.
Urban hatte recht, den Helm nicht abzunehmen. Dredd ist eine Maske, kein Charakter: Er vertritt das Gesetz und ist selbst das Gesetz. Das Gesicht zu zeigen hätte den Mythos gebrochen. Die emotionale Arbeit des Films leistet stattdessen Anderson (Olivia Thirlby), die als Rookie zum ersten Mal mit dem Gewicht des Judge-Systems konfrontiert wird. Das ist eine kluge Struktur: Dredd als unmovable object, Anderson als Perspektivfigur.
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Dredd (2012). In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/dredd-2012/ (abgerufen am 01.07.2026).