Konzept

Noosphäre

Die Sphäre des menschlichen Denkens als planetare Hülle, die die Biosphäre umgibt und transformiert.

Die Noosphäre ist ein Konzept des Paläontologen Pierre Teilhard de Chardin und des Geochemikers Wladimir Wernadski. Sie beschreibt die Gesamtheit menschlichen Denkens als eine Art planetare Schicht, die sich über die Biosphäre legt, ähnlich wie die Atmosphäre die Erde umhüllt.

Teilhard de Chardin sah die Evolution als gerichteten Prozess, der die Geosphäre (unbelebte Materie), die Biosphäre (Leben) und die Noosphäre (Geist) als aufeinanderfolgende Stufen durchläuft. Am Ende steht der Omega-Punkt, eine Art kosmisches Bewusstsein, in dem alles Denken konvergiert.

In der Science Fiction wurde die Noosphäre zum Modell für kollektive Bewusstseine und planetare Netzwerke. Dan Simmons nutzt das Konzept in seinen Hyperion-Cantos ausführlich, wo die TechnoCore ein künstliches Äquivalent der Noosphäre bildet. Peter Hamiltons Commonwealth-Saga beschreibt ein Unisphäre genanntes Netzwerk, das die Menschheit mental verbindet.

Mit dem Internet hat das Konzept neue Aktualität gewonnen. Manche Theoretiker sehen im World Wide Web die technische Verwirklichung der Noosphäre. Für SF-Autoren ist es ein fruchtbarer Boden: Was passiert, wenn die Noosphäre ein eigenes Bewusstsein entwickelt?

Teilhard de Chardin entwickelte das Konzept in den 1940er Jahren, durfte es aber zu Lebzeiten nicht veröffentlichen. Als Jesuit stand er in Konflikt mit kirchlicher Zensur, weil seine Evolutionstheologie mit der offiziellen Lehre kollidierte. Sein Hauptwerk 'Der Mensch im Kosmos' erschien erst 1955 posthum. Dass das Konzept trotzdem so einflussreich wurde, verdankt sich unter anderem Julian Huxley, der de Chardins Werk einem breiteren anglophonen Publikum zugänglich machte.

Wernadski, der russische Mitbegründer des Begriffs, entwickelte das Konzept unabhängig und mit stärker materialistisch-wissenschaftlichem Fokus. Für ihn war die Noosphäre kein spirituelles Ziel, sondern ein geologischer Begriff: Menschliche Aktivität hat die Erde ebenso grundlegend verändert wie die Entstehung von Sauerstoff durch frühe Photosynthese. Diese Lesart ist dem modernen Begriff der Anthroposphäre verwandt und findet sich in der Erdsystemwissenschaft wieder.

In der SF ist das Konzept deshalb so produktiv, weil es eine Brücke zwischen Technologie und Bewusstsein schlägt, ohne auf Übernatürliches angewiesen zu sein. Greg Bears Blood Music (1985) ist vielleicht die radikalste literarische Umsetzung: Die Noosphäre entsteht dort nicht durch menschliche Vernetzung, sondern durch Mikrobewusstseine auf zellulärer Ebene. Was passiert, wenn das kollektive Denken eine eigene Intelligenz entwickelt und anfängt, Entscheidungen zu treffen, ist die Kernfrage, auf die das Noosphären-Konzept immer wieder zurückführt.

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Noosphäre. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/noosphaere/ (abgerufen am 01.07.2026).