O'Neill-Zylinder
Riesige rotierende Weltraumhabitate mit eigener Atmosphäre, Landschaft und Schwerkraft, Gerard O'Neills Vision von 1974 für Millionenstädte im All.
Der O'Neill-Zylinder ist ein Konzept für ein großes Weltraumhabitat, entworfen 1974 von dem Princeton-Physiker Gerard K. O'Neill. Zwei gegenläufig rotierende Zylinder von jeweils 8 km Durchmesser und 32 km Länge erzeugen durch Rotation künstliche Schwerkraft auf der Innenseite und bieten Platz für bis zu 10 Millionen Bewohner.
Jeder Zylinder hat abwechselnd drei Landstreifen und drei Fensterstreifen. Die Fenster ermöglichen natürliches Sonnenlicht, das über verstellbare Spiegel eingeleitet wird. Im Inneren könnten Flüsse, Wälder, Städte und Landwirtschaft existieren, eine erdähnliche Umgebung im Weltraum. Die gegenläufige Rotation der beiden Zylinder neutralisiert Kreiseleffekte und stabilisiert die Gesamtstruktur.
O'Neills revolutionäre Idee war: Statt Planeten zu terraformen, sollte die Menschheit ihren Lebensraum selbst bauen, aus Asteroiden- und Mondmaterial, an Lagrange-Punkten positioniert. Er berechnete, dass die Ressourcen eines einzigen erdnahen Asteroiden genügen würden, um Habitate für Milliarden Menschen zu bauen.
Die Technik existiert theoretisch, kein unbekanntes Physikprinzip ist nötig. Die Herausforderung ist die schiere Größe: Millionen Tonnen Material müssten im All verarbeitet werden. Jeff Bezos (Blue Origin) hat O'Neills Vision als Langfristziel für die Menschheit übernommen.
Gerade der entscheidende Gedanke O'Neills war eine Umkehrung der gängigen Raumfahrtfantasie: Statt die Menschheit mühsam an die feindliche Oberfläche fremder Planeten anzupassen, schlug er vor, maßgeschneiderte Welten frei im Raum zu bauen. Ein O'Neill-Zylinder hätte gegenüber einem Planeten gewichtige Vorteile, denn seine Schwerkraft, sein Klima und seine Tageslänge ließen sich frei einstellen, und er läge bequem in Erdnähe an einem Lagrange-Punkt statt am Ende einer monatelangen Reise. Bemerkenswert ist, dass das Konzept keine unbekannte Physik erfordert, sondern allein an der gewaltigen Menge an Material und der industriellen Kapazität scheitert, die nötig wäre, um es im All zu errichten. Genau hier schließt sich der Kreis zu Ideen wie dem Asteroidenbergbau und dem Massenbeschleuniger auf dem Mond, die den Rohstoffnachschub liefern könnten. In der Science-Fiction sind rotierende Zylinderwelten ein fester Bestandteil geworden, etwa in Babylon 5 und bei den Habitaten in The Expanse, weil sie eine glaubwürdige, dauerhaft bewohnbare Heimat im All darstellen, die nicht von einem Planeten abhängt.
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O'Neill-Zylinder. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/oneill-zylinder/ (abgerufen am 01.07.2026).
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