Technologie

Tachyonstrahlung (Star Trek)

Überlichtschnelle Partikel in Star Trek, universelles Werkzeug zum Aufspüren getarnter Schiffe und Zeitanomalien.

Spoiler-Warnung: Dieser Eintrag enthält Handlungsdetails aus Star Trek.

In Star Trek sind Tachyonen das Schweizer Taschenmesser der Sternenflotte. Wann immer ein Problem auftaucht, das mit konventioneller Technologie nicht lösbar ist, sind Tachyonen zur Stelle. Getarntes romulanisches Warbird? Tachyonen-Scan. Zeitliche Anomalie? Tachyonen-Puls. Subraum-Riss? Inverser Tachyonenstrahl. Captain Picard hat den inversen Tachyonenstrahl in der finalen Episode von TNG quasi im Alleingang berühmt gemacht.

Die reale Physik kennt Tachyonen als hypothetische Teilchen, die sich stets schneller als Licht bewegen. Kein physikalisches Experiment hat je ein Tachyon nachgewiesen, und viele Physiker halten ihre Existenz für unvereinbar mit der Kausalität, denn überlichtschnelle Teilchen könnten theoretisch Informationen in die Vergangenheit senden.

Star Trek nutzt Tachyonen als technobabble-Universallösung, und die Fangemeinschaft behandelt sie mit einer Mischung aus Zuneigung und Augenrollen. Wenn ein Drehbuchautor nicht weiterweiß, ist ein Tachyonen-Impuls die Rettung.

Gerade als running gag der Sternenflotte sagt die Tachyonstrahlung viel über das Erzählen von Science-Fiction im Fernsehen aus. Sie ist das klassische Beispiel für Technobabble, also für erfundene Fachsprache, die ein Problem löst, ohne es wirklich zu erklären. Zugleich steckt ein realer Kern darin, denn echte Tachyonen sind ein ernsthaft diskutiertes, wenn auch unbewiesenes Konzept der theoretischen Physik. Star Trek nutzt diesen schmalen Streifen zwischen Wissenschaft und Erfindung meisterhaft und macht die Tachyonen zu einem liebevoll belächelten Markenzeichen der Serie.

Physikalisch sind Tachyonen ein Gedankenexperiment mit einer interessanten Eigenheit: Sie müssten, wenn es sie gäbe, mit der Verlangsamung unter Lichtgeschwindigkeit Energie aufnehmen statt abgeben. Sie könnten also im Prinzip zur Informationsübertragung in die Vergangenheit genutzt werden, was die Kausalität verletzt. Die meisten Physiker halten sie deshalb für unmöglich, ohne es abschließend beweisen zu können. Genau diese Grauzone macht sie für SF-Autoren attraktiv.

Technobabble als Erzähltechnik hat seinen Platz in der SF-Geschichte. Es ermöglicht wöchentlich neue Probleme und Lösungen in einer Serie, ohne die Handlung zu lähmen. Das Publikum hat gelernt, die Tachyonenpulse und Inversbeschleunigungsfelder als Konvention zu akzeptieren, ähnlich wie Filmmusik, die die Stimmung steuert, ohne den Realismus zu stören. Star Trek wäre ohne dieses Repertoire erzählerisch ärmer, wenn auch wissenschaftlich korrekter.

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Tachyonstrahlung (Star Trek). In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/tachyonstrahlung/ (abgerufen am 01.07.2026).