Technologie

Thorium-Reaktor

Kernreaktor, der Thorium statt Uran als Brennstoff nutzt und dabei weniger langlebigen Atommüll und kein waffenfähiges Material erzeugt.

Ein Thorium-Reaktor nutzt das Element Thorium-232 als Brennstoff. Thorium kommt in der Erdkruste drei- bis viermal häufiger vor als Uran und ist gleichmäßiger verteilt. Im Reaktor wird Thorium in spaltbares Uran-233 umgewandelt und liefert dabei Energie.

Die Vorteile gegenüber Uranreaktoren sind erheblich: Der Atommüll bleibt nur einige hundert Jahre gefährlich statt zehntausende, eine Kernschmelze ist physikalisch deutlich schwieriger, und das entstehende Uran-233 ist für Atomwaffen kaum geeignet. Der Hauptgrund, warum sich Thorium in den 1950er Jahren nicht durchsetzte, war genau dieser letzte Punkt: Die USA und die Sowjetunion wollten Reaktoren, die waffenfähiges Plutonium produzieren.

Dabei existierte die Technik längst. Die USA betrieben bereits in den 1960er Jahren am Oak Ridge National Laboratory unter dem Physiker Alvin Weinberg einen funktionierenden Flüssigsalz-Versuchsreaktor mit Thorium, das Molten-Salt Reactor Experiment. Es lief mehrere Jahre erfolgreich, wurde in den 1970er Jahren aber trotz technischer Fortschritte eingestellt, aus denselben politischen Gründen, die Thorium insgesamt ins Abseits drängten. Der Flüssigsalz-Ansatz hat gegenüber klassischen Feststoffbrennstäben einen weiteren Vorteil: Das Salz kann im Störfall einfach in einen Auffangtank ablaufen, wo die Kettenreaktion von selbst zum Erliegen kommt, ganz ohne aktives Eingreifen.

China hat 2024 mit dem TMSR-LF1 in der Wüste Gobi den weltweit ersten experimentellen Thorium-Flüssigsalzreaktor in Betrieb genommen. Indien investiert seit Jahrzehnten in Thorium-Technologie, weil das Land über riesige Thorium-Reserven verfügt. In der Science-Fiction spielen Thorium-Reaktoren selten eine explizite Rolle, aber die Idee eines saubereren, sichereren Kernbrennstoffs taucht in vielen Near-Future-Szenarien auf.

Gerade die Geschichte des Thorium-Reaktors ist lehrreich, weil sie zeigt, wie politische statt technischer Gründe eine vielversprechende Technik ins Abseits drängen können. Dass Thorium kaum waffenfähiges Material liefert, war im Kalten Krieg ein Nachteil und wäre heute, im Zeichen von Klimaschutz und Proliferationssorgen, gerade ein Vorteil. Mit dem chinesischen Versuchsreaktor und den indischen Programmen erlebt die alte Idee daher eine Renaissance. In der Science-Fiction bleibt sie meist im Hintergrund, steht aber sinnbildlich für die Hoffnung auf eine sauberere, sicherere Form der Kernenergie.

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Thorium-Reaktor. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/thorium-reaktor/ (abgerufen am 28.08.2026).