Total Recall (1990)
Paul Verhoevens actiongeladene Philip-K.-Dick-Verfilmung über implantierte Erinnerungen, Mars-Kolonien und die Frage, was Realität ist.
Total Recall (1990) ist eine der großen Science-Fiction-Verfilmungen und zugleich einer der besten Actionfilme seiner Ära. Basierend auf Philip K. Dicks Kurzgeschichte We Can Remember It for You Wholesale verwandelte Regisseur Paul Verhoeven die philosophische Vorlage in ein schweißtreibendes, überdrehtes und dabei überraschend intelligentes Spektakel.
Arnold Schwarzenegger spielt Douglas Quaid, einen Bauarbeiter, der sich bei der Firma Rekall falsche Erinnerungen an einen Urlaub auf dem Mars implantieren lassen will. Dabei geht etwas schief (oder auch nicht), und Quaid entdeckt, dass er möglicherweise ein Geheimagent namens Hauser ist, der auf dem Mars gegen den tyrannischen Vilos Cohaagen gekämpft hat. Oder ist alles nur ein Traum? Ein implantiertes Abenteuer? Der Film hält die Ambiguität bis zum Schluss aufrecht.
Der Mars in Total Recall ist eine brutale Kolonie, in der eine Widerstandsbewegung von Mutanten (verursacht durch mangelhafte Strahlenschutzmaßnahmen) gegen die Herrschaft der Erd-Konzerne kämpft. Verhoeven nutzt die SF-Kulisse, um über Kolonialismus, Klassenherrschaft und Medienkontrolle zu sprechen, verpackt in eine Achterbahn aus Schießereien und Spezialeffekten.
Die praktischen Effekte von Rob Bottin sind bis heute beeindruckend. Die berühmte Szene, in der Quaid sich auf dem Mars einen Tracker durch die Nase entfernt, gehört zu den ikonischsten Momenten des Genres.
Total Recall wurde 2012 mit Colin Farrell neu verfilmt, aber das Original bleibt unübertroffen. Es ist ein seltener Fall, in dem ein Film gleichzeitig als hirnloser Actionfilm und als philosophisches Gedankenexperiment funktioniert.
Philip K. Dicks Kurzgeschichte We Can Remember It for You Wholesale (1966) ist deutlich dünner als der Film. Dick zeigt die Grundsituation, die falsche Erinnerung, das Auftauchen einer verdrängten Identität, aber ohne Mars-Kolonie, ohne politischen Subtext, ohne Verhoevens Energie. Was der Film daraus macht, ist eine Erweiterung, die den Stoff beinahe überwältigt. Das ist selten: Eine Verfilmung, die den Ausgangstext in der Wirkung übertrifft, ohne seine Kernidee zu verraten.
Verhoevens politischer Instinkt ist in Total Recall weniger offensichtlich als in Starship Troopers, aber vorhanden. Die Mars-Kolonie ist von einer Erd-Firma kontrolliert, die die Luft rationiert und damit direkte politische Macht über jeden Atemzug der Bevölkerung hat. Das ist keine subtile Metapher. Die Mutanten entstehen, weil der Strahlenschutz in den Billigquartieren schlechter ist als in den reichen Vierteln. Klasse bestimmt körperliche Integrität. Das alles steckt im Film, aber Verhoeven versteckt es unter Actionszenen und wechselt das Tempo so, dass es nie wie politischer Unterricht wirkt.
Die Ambiguitätsfrage, ob die Marshandlung real ist oder ein halluziniertes Produkt des Rekall-Programms, lässt sich im Film nicht eindeutig beantworten. Verhoeven hat in Interviews bewusst zwei Versionen des Films gestützt. Eine blaue Pille liegt im Film nicht auf dem Tisch, aber der Hinweis eines Arztes kurz vor dem Höhepunkt, der Quaid warnt, dass er sich in einem Traumzustand befindet, ist entweder ein Plot-Trick der Antagonisten oder ein echter Hinweis auf das Ende seiner Realitätswahrnehmung. Beide Lesarten sind vollständig kohärent.
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Total Recall (1990). In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/total-recall/ (abgerufen am 01.07.2026).
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