Weltraumnahrung
Die Ernährung im All ist ein komplexes Logistik-, Gesundheits- und Psychologieproblem. Aus der Tubennahrung der Anfangszeit ist inzwischen sogar frischer Salat auf der ISS geworden.
Weltraumnahrung hat sich seit den Anfängen der Raumfahrt radikal verändelt. In den Mercury-Missionen (1960er) aßen Astronauten pürierte Nahrung aus Tuben und komprimierte Würfel. Heute bietet die ISS rund 200 verschiedene Speisen an: gefriergetrocknet, thermostabilisiert, bestrahlt oder als Frischware.
Die Ernährung im All hat direkte medizinische Bedeutung. Astronauten verlieren Appetit (teilweise durch Flüssigkeitsverschiebung in den Kopf, die Geschmack und Geruch beeinträchtigt), was zu Unterernährung führen kann. Ausreichend Vitamin D, Calcium und Omega-3-Fettsäuren sind entscheidend für Knochen- und Herz-Kreislauf-Gesundheit.
Das ISS-Experiment Veggie (seit 2014) und das Advanced Plant Habitat züchten erfolgreich Salat, Radieschen und Chili-Paprika in der Schwerelosigkeit. Frische Nahrung hat neben dem Nährwert einen erheblichen psychologischen Wert für die Crew.
Für Mars-Missionen (2–3 Jahre) reicht mitgebrachte Nahrung nicht aus. Konzepte umfassen Bioregenerative Lebenserhaltungssysteme (BLSS), in denen Pflanzen gleichzeitig Nahrung produzieren, CO₂ recyceln und Sauerstoff erzeugen. Das MELiSSA-Projekt der ESA arbeitet seit den 1980er Jahren an einem geschlossenen Ökosystem, das Pflanzen, Algen und Bakterien integriert.
Gerade der psychologische Wert von Essen wird in der Raumfahrt leicht unterschätzt, ist aber für lange Missionen womöglich ebenso wichtig wie der Nährwert. Eine warme, vertraute Mahlzeit strukturiert den Tag, schafft gemeinsame Rituale und gibt einer isolierten Crew ein Stück Heimat. Genau deshalb hat die erste auf der ISS gezüchtete und gegessene Salatpflanze über ihren bescheidenen Kaloriengehalt hinaus eine symbolische Bedeutung: Sie steht für den Übergang von mitgebrachten Konserven zu einem teilweise selbsttragenden Lebensraum. Für den Mars wird genau dieser Schritt unverzichtbar, denn eine mehrjährige Mission kann nicht alle Lebensmittel mitführen, ohne unbezahlbar schwer zu werden. Bioregenerative Systeme, in denen Pflanzen gleichzeitig Nahrung liefern, Kohlendioxid binden, Sauerstoff erzeugen und Wasser reinigen, verwandeln das Habitat in ein kleines, geschlossenes Ökosystem. Die große Herausforderung bleibt die Stabilität eines solchen Kreislaufs über Jahre, denn schon der Ausfall einer einzigen Komponente könnte die gesamte Versorgungskette ins Wanken bringen.
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Weltraumnahrung. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/weltraumnahrung/ (abgerufen am 01.07.2026).
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