Astronomie

Boötes-Void

Eine Blase im Universum, 330 Millionen Lichtjahre groß, in der fast nichts existiert, die große Leere.

Der Boötes-Void (auch Boötes-Supervoid) ist eine annähernd kugelförmige Region im Universum mit einem Durchmesser von etwa 330 Millionen Lichtjahren, die nahezu keine Galaxien enthält. Entdeckt 1981 von Robert Kirshner und Kollegen, ist er einer der größten bekannten Voids im beobachtbaren Universum. Um die Leere zu veranschaulichen: Würde die Milchstraße im Zentrum des Boötes-Void liegen, hätten wir bis in die 1960er Jahre nicht gewusst, dass andere Galaxien existieren.

Nur etwa 60 Galaxien wurden in diesem Raum gefunden, während in einem vergleichbar großen Bereich des Universums normalerweise etwa 2.000 zu erwarten wären. Die Existenz des Boötes-Void ist innerhalb des kosmologischen Standardmodells erklärbar: Voids entstehen durch die gravitationsbedingte Strukturbildung des Universums, bei der Materie in Filamente und Knoten zusammenfließt und Hohlräume hinterlässt. Das kosmische Netz aus Filamenten und Voids ist eine der großartigsten Strukturen, die die Natur hervorgebracht hat. In Science-Fiction-Kreisen wird der Boötes-Void gelegentlich als Hinweis auf eine Typ-III-Zivilisation auf der Kardaschow-Skala interpretiert, die alle Sterne in der Region für ihre Zwecke genutzt und verdunkelt haben könnte, eine faszinierende, wenn auch unbelegte Spekulation.

Die Entdeckungsgeschichte des Boötes-Void ist selbst aufschlussreich. Robert Kirshner und sein Team stießen 1981 in einer Rotverschiebungs-Durchmusterung auf die Region, als nur sechs Galaxien in einem Volumen gefunden wurden, das Hunderte hätte beherbergen sollen. Anfangs zweifelten andere Astronomen, ob die Lücke real sei oder ein Artefakt unvollständiger Stichproben. Erst umfangreichere Surveys in den 1990ern bestätigten ihre Ausdehnung auf die heutige Schätzung von rund 330 Millionen Lichtjahren.

Voids sind keine statischen Leeren. In ihrem Inneren entstehen über kosmologische Zeiträume kleine Galaxien aus dem verbleibenden Gas, sogenannte Void-Galaxien. Sie sind typischerweise blauer und gas- und sternenbildungsreicher als Galaxien in dichten Regionen, weil sie keine Kollisionen erfahren, die sie in elliptische, sternenlose Systeme verwandeln. Etwa 60 solcher Galaxien wurden im Boötes-Void identifiziert.

Für Science-Fiction-Autoren ist der Boötes-Void ein Spielplatz für Extremspekulationen: ein Ort so weit von jedem Nachbarstern entfernt, dass die Nacht dort nie irgendwo ein Licht zeigen würde, das mit bloßem Auge sichtbar wäre. Greg Egan hat in Incandescence mit der Idee gespielt, wie eine Zivilisation in einem kosmischen Void die Physik des Universums entdecken würde, ohne je andere Galaxien zu sehen.

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Boötes-Void. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/bootes-void/ (abgerufen am 01.07.2026).