Bussard-Ramjet
Hypothetisches interstellares Antriebskonzept, das Wasserstoff aus dem interstellaren Medium einsammelt und als Fusionsbrennstoff nutzt.
Der Bussard-Ramjet wurde 1960 vom Physiker Robert W. Bussard vorgeschlagen. Die Idee: Ein Raumschiff fliegt mit einem riesigen magnetischen Trichter durch den Weltraum und sammelt den dünn verteilten Wasserstoff des interstellaren Mediums ein. Dieser Wasserstoff wird in einem Fusionsreaktor verbrannt und erzeugt Schub.
Das Konzept umgeht das fundamentale Problem der Tsiolkowski-Gleichung: Ein Raumschiff braucht exponentiell mehr Treibstoff, je schneller es werden soll. Ein Bussard-Ramjet umgeht diese Einschränkung, weil seine Treibstoffquelle praktisch unbegrenzt ist.
Poul Andersons Tau Zero (1970) ist der ultimative Bussard-Ramjet-Roman: Ein Schiff, dessen Bremssystem ausfällt, beschleunigt immer weiter, bis die Zeitdilatation so extrem wird, dass die Besatzung das Ende des Universums erlebt.
Spätere Berechnungen haben gezeigt, dass der Bussard-Ramjet in der Praxis problematisch ist: Die Dichte des interstellaren Wasserstoffs ist zu gering, und der Widerstand könnte den Schub übersteigen. Trotzdem bleibt das Konzept ein Fixstern der Hard SF.
Die Physik des Ramjets hat seit Bussards Veröffentlichung eine interessante Geschichte hinter sich. 1978 zeigte der Physiker T. A. Heppenheimer, dass der interstellare Wasserstoff zu dünn ist, um genug Fusion auszulösen, und dass der magnetische Trichter selbst einen Widerstand erzeugt, der den Schub übersteigt. Bussard schlug daraufhin eine Modifikation vor, den Catalytic Ramjet, der Protonenfusion durch katalytische Reaktionen umgehen sollte. Spätere Arbeiten von Robert Bussard selbst und anderen Forschern haben verschiedene Varianten und Abhilfen diskutiert, ohne das Grundproblem zu lösen.
Literarisch ist der Bussard-Ramjet vor allem durch den Schiffstyp geprägt, der die Grenze zwischen Fahrzeug und Erzählfigur verwischt. In Tau Zero ist die Leonora Christine das eigentliche Subjekt des Romans: Das Schiff beschleunigt, weil es nicht anders kann, und die Besatzung beobachtet hilflos, wie das Universum um sie herum altert und stirbt. Das ist kein Abenteuer, sondern eine Art Kosmospassion. Gregory Benfords Galactic Center Saga verwendet verwandte Antriebskonzepte für die langen interstellaren Reisen ihrer Charaktere. Larry Niven hat das Grundprinzip in mehreren Known-Space-Geschichten als Hintergrundtechnologie verwendet, bevor spätere Editionen die Physikprobleme in Fußnoten anerkannten.
Aus dem Forum
Diskutiere diesen Begriff mit Lesern und Autoren im BuchKnall-Forum.
Im Forum diskutierenDiesen Eintrag zitieren
Bussard-Ramjet. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/bussard-ramjet/ (abgerufen am 01.07.2026).