Xenologie

Cosmic Call

1999 und 2003 schoss das Radioteleskop in Jewpatoria gezielte Nachrichten zu sonnenähnlichen Sternen, die bisher ambitioniertesten interstellaren Botschaften der Menschheit.

Cosmic Call war ein METI-Projekt, das in zwei Kampagnen (1999 und 2003) interstellare Radionachrichten vom RT-70-Radioteleskop in Jewpatoria (Ukraine) an insgesamt neun sonnenähnliche Sterne sendete. Die Sendeleistung betrug ca. 150 kW bei 5,01 GHz.

Die Nachricht wurde von den kanadischen Physikern Yvan Dutil und Stephane Dumas entworfen. Cosmic Call 1 (1999) bestand aus 23 Seiten mit je 127 mal 127 Binärelementen, einer Art interstellarer Enzyklopädie, die Grundrechenarten, Chemie und eine Darstellung des Sonnensystems umfasste. Cosmic Call 2 (2003) war eine überarbeitete Version (Interstellar Rosetta Stone), die zusätzliche Konzepte aus Biologie und Kultur enthielt. Das Projekt wurde von der amerikanischen Firma Team Encounter unter Charles Chafer organisiert.

Die Zielsterne: Cosmic Call 1 wurde an HD 186408, HD 190360, HD 178428 und HD 190406 gesendet. Die frühesten Ankunftszeiten liegen zwischen 2036 und 2070. Cosmic Call 2 zielte auf HD 245409, 55 Cancri und weitere Sterne, mit Ankunft ab 2040.

Die Sendungen waren kontrovers: Alexander Zaitsev, der leitende Wissenschaftler, wurde dafür kritisiert, ohne internationale Konsultation gehandelt zu haben, ein Vorfall, der die spätere METI-Debatte maßgeblich befeuerte.

Gerade die Cosmic-Call-Sendungen sind das beste Beispiel dafür, wie eine einzelne, unabgestimmte Entscheidung die ganze Diskussion über aktive Botschaften ins All entfachen kann. Anders als die einmalige, eher symbolische Arecibo-Nachricht zielten diese Kampagnen bewusst auf konkrete, sonnenähnliche Sterne, deren mögliche Planeten man tatsächlich als Empfänger im Blick hatte, mit realistisch berechenbaren Ankunftszeiten in einigen Jahrzehnten. Bemerkenswert war der Anspruch, nicht nur ein Lebenszeichen zu senden, sondern eine Art interstellare Enzyklopädie, die einem fremden Empfänger schrittweise Mathematik, Chemie und ein Bild unseres Sonnensystems vermitteln sollte. Genau dieser ambitionierte, gezielte Charakter machte die Sendungen jedoch umstritten, denn ihr Leiter handelte weitgehend im Alleingang, ohne die in der SETI-Gemeinschaft geforderte internationale Abstimmung. Damit wurde Cosmic Call zum Auslöser einer Grundsatzfrage, die bis heute nicht entschieden ist, nämlich ob einzelne Wissenschaftler oder Institutionen überhaupt das Recht haben, im Namen der gesamten Menschheit deren Existenz und Standort aktiv hinauszufunken. Die Episode verdeutlicht damit, wie eng technische Möglichkeit und ethische Verantwortung beim Senden interstellarer Botschaften beieinanderliegen.

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Cosmic Call. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/cosmic-call/ (abgerufen am 01.07.2026).