Dark City (1998)
Alex Proyas' neo-noir SciFi-Thriller über eine Stadt in ewiger Nacht, deren Bewohner jede Mitternacht von Aliens mit neuen Erinnerungen versehen werden.
Dark City ist einer der am meisten unterschätzten Science-Fiction-Filme der 1990er Jahre und wurde bei seiner Veröffentlichung 1998 vom Erfolg von The Matrix, das ein Jahr später erschien und ähnliche Themen behandelte, überschattet. Rufus Sewell spielt John Murdoch, der ohne Erinnerungen in einer Badewanne erwacht und verdächtigt wird, ein Serienmörder zu sein. Während er versucht, seine Identität zu rekonstruieren, entdeckt er, dass die Stadt, in der er lebt, eine künstliche Konstruktion ist: Jede Mitternacht halten die Strangers, eine Gruppe außerirdischer Wesen, die Zeit an, verändern die physische Struktur der Stadt und pflanzen den Bewohnern neue Erinnerungen ein.
Es gibt keinen Tag in Dark City, nur ewige Nacht. Die Strangers suchen nach dem, was die menschliche Seele ausmacht, und nutzen die Stadt als Labor. Alex Proyas, der zuvor The Crow inszeniert hatte, erschuf eine Welt von bedrückender visueller Dichte, die expressionistischen Film Noir mit Science-Fiction-Elementen verschmilzt.
Die Stadt, zusammengesetzt aus Versatzstücken verschiedener Epochen und Stile, wirkt wie ein Traum, der kurz vor dem Erwachen steht. Roger Ebert nannte Dark City den besten Film des Jahres und einen der visionärsten Science-Fiction-Filme überhaupt. Der Film teilt thematische DNA mit The Matrix, Blade Runner und The Truman Show: Alle stellen die Frage, ob die wahrgenommene Realität echt ist und ob Identität mehr ist als eine Sammlung von Erinnerungen. Dark City beantwortet diese Frage auf seine eigene, poetische Weise und wurde über die Jahre zum Kultfilm.
Der Film litt unter einer Vermarktungsentscheidung, die bis heute kritisiert wird. Der Kinostart-Trailer verriet den zentralen Twist des Films, dass die Realität manipuliert wird. Das ist die Art von Enthüllung, die erst nach einer Stunde enthüllt werden sollte. Das Publikum, das den Trailer gesehen hatte, begann den Film mit dem Wissen, das es ohne Trailer erst hätte erarbeiten müssen. Roger Ebert schrieb darüber explizit in seiner Kritik.
Alex Proyas' Entscheidung, nie Tageslicht im Film zu zeigen, ist so konsequent, dass man es beim ersten Sehen kaum bemerkt. Die ewige Nacht erzeugt eine Claustrophobie des Bewusstseins: In einer Welt ohne Sonnenlicht fehlt die natürlichste aller zeitlichen Orientierungen. Die Strangers brauchen keine Erklärung, warum sie die Zeit anhalten. Das Dunkel erklärt alles.
Das Thema der falschen Erinnerungen hat durch neuere Hirnforschung eine eigenartige Aktualität gewonnen. Gedächtnisforscher wissen seit den 1970er Jahren, dass Erinnerungen rekonstruktiv sind, nicht wie ein Video abspielbar. Dark City nimmt diese Idee und fragt: Wenn Erinnerungen ohnehin unzuverlässig sind, was bleibt dann von Identität? Für Leser, die diese Frage vertiefen wollen: Philip K. Dicks We Can Remember It for You Wholesale und Richard Morrises Klara and the Sun stellen verwandte Fragen.
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Dark City (1998). In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/dark-city/ (abgerufen am 01.07.2026).
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