Weltraummedizin

Dekompression

Der plötzliche Druckverlust im All, ein Albtraumszenario der Raumfahrt, das als kleine Undichtigkeit beginnt und im katastrophalen Hüllenbruch enden kann.

Dekompression bezeichnet den Verlust von Kabinendruck in einem Raumfahrzeug. Man unterscheidet langsame Dekompression (kleine Lecks, Stunden bis Tage Zeit für Gegenmaßnahmen) und explosive Dekompression (großflächiger Hüllenbruch, Sekunden bis zum Bewusstseinsverlust).

Bei vollständigem Druckverlust ins Vakuum tritt Bewusstlosigkeit nach etwa 10–15 Sekunden ein, da der gelöste Sauerstoff im Blut rasch aufgebraucht wird. Überlebbar ist ein Vakuumexposur von etwa 90 Sekunden, wenn danach wieder Druck hergestellt wird. Entgegen populärer Vorstellungen platzen Menschen im Vakuum nicht, die Haut ist elastisch genug, um dem Innendruck standzuhalten.

Reale Vorfälle: 1971 starben die drei Kosmonauten der Sojus 11 (Dobrovolsky, Volkov, Patsayev) durch eine Dekompression beim Wiedereintritt, ein Ventil öffnete sich versehentlich in 168 km Höhe. 1997 wurde die Mir-Station bei einer Kollision mit einem Progress-Frachter im Spektr-Modul beschädigt; die Crew konnte das betroffene Modul rechtzeitig abdichten.

Auf der ISS werden Lecks durch Druckmonitoring, Ultraschallsensoren und sektorweises Abdichten (Schließen von Luken zwischen Modulen) gemanagt. Raumanzüge bieten bei EVAs einen Notfall-Druckschutz von 0,3 atm.

Gerade weil die Science-Fiction die Dekompression oft dramatisch übertreibt, lohnt der Blick auf die tatsächliche Physiologie. Menschen explodieren im Vakuum nicht und gefrieren auch nicht augenblicklich, denn das Vakuum leitet keine Wärme ab. Die unmittelbare Gefahr ist der Sauerstoffmangel: Schon nach wenigen Sekunden droht Bewusstlosigkeit, weil der Körper bei fehlendem Außendruck den Sauerstoff sogar aktiv aus dem Blut an die Lunge abgibt. Ein zweites Risiko ist das Ausgasen von Stickstoff im Gewebe, vergleichbar der Taucherkrankheit, sowie die Ausdehnung der Luft in der Lunge, die niemals durch Anhalten des Atems verschlimmert werden darf. Entscheidend ist deshalb das schnelle Wiederherstellen des Drucks innerhalb der kurzen Überlebensspanne. Das tragische Schicksal der Sojus-11-Besatzung zeigt, wie unerbittlich das Vakuum bei einem unbemerkten Leck zuschlägt, und prägte die Sicherheitsphilosophie der bemannten Raumfahrt nachhaltig. Moderne Stationen setzen daher auf Drucküberwachung, abschottbare Module und schnell auffindbare Lecksuchgeräte, damit ein kleines Leck nicht zur Katastrophe eskaliert.

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Dekompression. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/dekompression/ (abgerufen am 01.07.2026).