Verfilmung

District 9

Neill Blomkamps Debüt über gestrandete Aliens in Johannesburg, das Apartheid, Xenophobie und Menschlichkeit in ein SF-Gewand kleidet.

District 9 (2009) war einer der ungewöhnlichsten und besten SF-Filme des Jahrzehnts. Neill Blomkamps Regiedebüt, produziert von Peter Jackson, erzählt von außerirdischen Flüchtlingen, die seit zwei Jahrzehnten in einem Slum in Johannesburg eingepfercht leben. Die Allegorie auf Apartheid und Ausländerfeindlichkeit ist transparent und gewollt.

Die Prawns (so der abwertende Spitzname der Aliens) sind in District 9 zusammengedrängt, einer verwahrlosten Township voller Müll, Kriminalität und Verzweiflung. Die Regierung beschließt, sie in ein neues Lager umzusiedeln, und der Bürokrat Wikus van de Merwe (Sharlto Copley) wird mit der Durchführung beauftragt. Als er mit einer außerirdischen Substanz in Kontakt kommt, beginnt sich sein Körper zu verändern, und er wird selbst zum Gejagten.

Der Film kombiniert Found-Footage-Elemente mit konventioneller Erzählung und schafft dadurch eine dokumentarische Unmittelbarkeit, die die politische Botschaft verstärkt. Die Prawns sind absichtlich abstoßend gestaltet: Sie fressen Katzenfutter und kommunizieren mit klickenden Lauten. Der Film zwingt den Zuschauer, seine Vorurteile zu konfrontieren.

District 9 wurde für vier Oscars nominiert, darunter Bester Film, eine Seltenheit für einen SF-Film mit einem Budget von nur 30 Millionen Dollar und einem vollständig unbekannten Hauptdarsteller.

Die Kraft des Films liegt in seiner Weigerung, einfache Antworten zu geben. Wikus ist kein Held. Er ist ein Feigling und Mitläufer, der erst handelt, als er selbst betroffen ist. Das offene Ende (ein versprochener Teil 2 wurde nie realisiert) verstärkt die Wirkung.

Blomkamp drehte den Film auf der Grundlage seines Kurzfilms Alive in Joburg (2005), ebenfalls in Johannesburg, ebenfalls mit der Prämisse gestrandeter Außerirdischer in einem südafrikanischen Kontext. Das macht die Verortung klar: Das ist kein zufällig gewählter Schauplatz. Johannesburg, Apartheid, Township-Kultur: Die Wahl ist politisches Statement, keine Exotisierung.

Die Prawns sind kein Zufall. Blomkamp entwarf sie bewusst abstoßend, um das emotionale Problem des Films auf die Probe zu stellen: Kann man mit einem Wesen mitfühlen, das einen anekelt? Das ist die klassische Frage des Rassismus: Die Dehumanisierung der Anderen beginnt damit, sie fremd und unangenehm wirken zu lassen. District 9 macht das mit echten Wesen und zwingt den Zuschauer, seine eigene Reaktion zu beobachten.

Der Sequel-Plan (District 10) blieb seit 2009 in Entwicklungshölle. Blomkamp machte danach Elysium (2013) und Chappie (2015), beide ambitioniert aber unvollständig. Die Frage, warum District 9 so gut funktionierte und die Folgefilme nicht, ist im Wesentlichen eine Frage über persönliche Betroffenheit: Blomkamp war in Südafrika aufgewachsen, und das Material war sein eigenes.

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District 9. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/district-9/ (abgerufen am 01.07.2026).