Dragonfly
Ein nuklearbetriebener Oktokopter, der 2028 zum Saturnmond Titan starten soll, die erste Drohne auf einem anderen Himmelskörper außerhalb der Erde und des Mars.
Dragonfly ist eine NASA-New-Frontiers-Mission, die vom Johns Hopkins Applied Physics Laboratory (APL) gebaut wird. Geplanter Start: Juli 2028, Ankunft auf Titan: 2034. Die Sonde ist ein nuklearbetriebener Oktokopter (acht Rotoren in vier Doppelkonfigurationen), angetrieben von einem RTG mit Plutonium-238.
Warum Titan? Saturns größter Mond hat eine dichte Stickstoffatmosphäre (1,5-facher Erddruck) und Seen aus flüssigem Methan und Ethan. Auf der Oberfläche existieren komplexe organische Moleküle (Tholins), die als präbiotische Chemie relevant sein könnten. Die Kombination aus organischer Chemie, Wassereis und möglichem Kryovulkanismus macht Titan zu einem der interessantesten Orte für die Suche nach alternativer Biochemie.
Warum Fliegen? Titans dichte Atmosphäre und geringe Schwerkraft (1/7 der Erde) machen Fliegen energetisch günstiger als auf der Erde. Dragonfly wird alle 16 Erdtage (ein Titan-Tag) einen Hop von mehreren Kilometern durchführen und dabei verschiedene geologische Formationen ansteuern, Dünenfelder, Einschlagskrater und kryovulkanische Regionen.
Die primäre Wissenschaftsphase dauert 2,5 Jahre. Dragonfly wird organische Moleküle auf der Oberfläche analysieren, nach Anzeichen von Wasser-basierter und Kohlenwasserstoff-basierter Chemie suchen und die Atmosphäre messen.
Gerade das Konzept einer fliegenden Drohne auf einem fernen Mond ist eine kühne Abkehr von den bisherigen Erkundungsmethoden, denn anders als ein Rover, der sich mühsam über die Oberfläche tastet, kann Dragonfly über Hindernisse hinweggleiten und in einem einzigen Sprung mehrere Kilometer entfernte, völlig verschiedene Landschaften ansteuern. Möglich wird das durch eine glückliche Fügung der Physik auf Titan, dessen dichte Atmosphäre und geringe Schwerkraft das Fliegen sogar einfacher machen als auf der Erde. Wissenschaftlich ist Titan deshalb so reizvoll, weil er eine echte Alternative zur irdischen Lebenschemie bietet: Statt auf Wasser beruht seine Oberflächenflüssigkeit auf Methan und Ethan, und seine reiche organische Chemie könnte zeigen, wie weit präbiotische Prozesse auch ohne flüssiges Wasser gedeihen. Damit untersucht Dragonfly nicht nur einen fremden Mond, sondern die grundlegende Frage, ob Leben an völlig andere Bedingungen gebunden sein kann, als wir es kennen. Dass die Drohne wie ihre Vorgänger von einer nuklearen Batterie angetrieben wird, macht sie unabhängig vom schwachen Sonnenlicht im fernen Saturnsystem. Dragonfly verkörpert damit den nächsten großen Schritt in der direkten Erkundung der vielversprechendsten Welten des äußeren Sonnensystems.
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Dragonfly. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/dragonfly/ (abgerufen am 01.07.2026).
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