Geysire im All
Enceladus, Triton und möglicherweise Europa schleudern Material aus ihrem Inneren ins All, natürliche Probennehmer für die Suche nach Leben.
Weltraumgeysire gehören zu den aufregendsten Entdeckungen der Planetenforschung. Die bekanntesten sind die Eisgeysire von Enceladus: Aus vier parallelen Spalten (Tiger Stripes) am Südpol schießen Fontänen aus Wasserdampf, Eiskristallen und organischen Molekülen bis zu 500 km hoch ins All. Cassini flog 2008 und 2015 direkt durch diese Plumes und analysierte ihre Zusammensetzung, Salzwasser, Kieselsäure, Wasserstoff und komplexe organische Verbindungen.
Auf Triton beobachtete Voyager 2 Stickstoff-Geysire, die schwarzen Staub 8 km hoch in die dünne Atmosphäre tragen. Auf Europa gibt es Hinweise auf sporadische Plumes, das Hubble-Teleskop beobachtete 2012 und 2016 mögliche Wasserfontänen, aber die Nachweise sind umstritten.
Für die Suche nach Leben sind diese Geysire von unschätzbarem Wert: Statt durch kilometerdickes Eis bohren zu müssen, könnte eine Sonde einfach durch einen Plume fliegen und Material aus dem subglazialen Ozean analysieren. Genau das planen zukünftige Missionen: Die vorgeschlagene Enceladus Orbilander-Mission würde Plume-Material auf Biosignaturen untersuchen.
James Coreys The Expanse nutzt Enceladus' Geysire als atmosphärisches Element, und Arthur C. Clarkes Europas Ozean-Geysire inspirierten Generationen von Autoren.
Gerade weil Geysire Material aus dem verborgenen Inneren kostenlos an die Oberfläche und sogar ins All befördern, gelten sie als der vielleicht direkteste Weg, einen subglazialen Ozean zu beproben, ohne ihn je zu erreichen. Cassini hat am Enceladus vorgemacht, was möglich ist: Beim Durchflug durch die Plumes ließ sich die chemische Zusammensetzung des darunterliegenden Meeres bestimmen, einschließlich Hinweisen auf hydrothermale Aktivität am Meeresboden. Genau dort, an heißen Quellen in der Tiefsee, vermuten Astrobiologen die wahrscheinlichsten Orte für die Entstehung von Leben. Künftige Missionen wollen diese Technik perfektionieren und Plume-Partikel mit weit empfindlicheren Instrumenten auf Aminosäuren, Fettsäuren oder andere komplexe Biomoleküle untersuchen. Die noch umstrittenen Europa-Plumes wären ein zweites lohnendes Ziel, das der Europa Clipper näher prüfen soll. Sollte eine Sonde in einem solchen Plume eindeutige Biosignaturen finden, wäre das einer der größten Funde der Wissenschaftsgeschichte, erreicht ohne eine einzige Bohrung durch das Eis.
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Geysire im All. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/geysire-im-all/ (abgerufen am 01.07.2026).
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