Astronomie

Hawking-Strahlung

Schwarze Löcher sind nicht ganz schwarz, Stephen Hawkings Theorie, dass sie langsam verdampfen.

Hawking-Strahlung ist eine theoretische Vorhersage von Stephen Hawking aus dem Jahr 1974, die unser Verständnis Schwarzer Löcher grundlegend veränderte. Zuvor galten Schwarze Löcher als perfekte kosmische Gefängnisse: Was hineinfällt, kommt nie wieder heraus. Hawking zeigte, dass Quanteneffekte am Ereignishorizont dazu führen, dass Schwarze Löcher tatsächlich Strahlung abgeben und dabei langsam Masse verlieren.

Der Mechanismus basiert auf Vakuumfluktuationen: Am Rand des Schwarzen Lochs entstehen ständig virtuelle Teilchen-Antiteilchen-Paare. Normalerweise vernichten sich beide sofort gegenseitig. Aber am Ereignishorizont kann es passieren, dass ein Teilchen ins Schwarze Loch fällt, während das andere entkommt.

Das entkommene Teilchen wird zu realer Hawking-Strahlung, und das Schwarze Loch verliert die entsprechende Masse. Über astronomisch lange Zeiträume verdampft das Schwarze Loch vollständig. Für stellare Schwarze Löcher dauert dieser Prozess länger als das aktuelle Alter des Universums.

Kleine Schwarze Löcher könnten jedoch messbar strahlen und in einem finalen Ausbruch explodieren. Die Hawking-Strahlung führte zum berühmten Informationsparadoxon: Wenn ein Schwarzes Loch verdampft, was passiert mit der Information, die hineingefallen ist? Dieses Problem beschäftigte Hawking bis zu seinem Tod 2018 und bleibt eines der größten ungelösten Rätsel der theoretischen Physik.

Bis heute wurde die Hawking-Strahlung nicht direkt beobachtet, weil die vorhergesagte Temperatur für realistische Schwarze Löcher verschwindend gering ist. Ein Schwarzes Loch mit der Masse der Sonne würde eine Temperatur von etwa 60 Nanokelvin strahlen, weit unter der Temperatur des kosmischen Mikrowellenhintergrunds. Nur primordiale Schwarze Löcher mit sehr kleiner Masse, falls sie existieren, würden messbar strahlen.

In der Science Fiction dient die Hawking-Strahlung als Energiequelle. In Greg Egans Erzählungen und in Peter Hamiltons Commonwealth-Saga werden mikroskopisch kleine Schwarze Löcher als Reaktoren genutzt, die durch kontrollierte Hawking-Strahlung Energie abgeben. Das Konzept ist physikalisch plausibel: Ein kleines Schwarzes Loch mit der Masse eines Asteroiden würde enormes Energiepotenzial bieten, wenn man es in einer Reaktorkammer halten und die Strahlung abführen könnte. Die technischen Probleme, ein Schwarzes Loch herzustellen und zu stabilisieren, sind allerdings jenseits jeder absehbaren Technologie.

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Hawking-Strahlung. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/hawking-strahlung/ (abgerufen am 01.07.2026).