Astronomie

Apophis (Asteroid)

Asteroid 99942 Apophis wird am 13. April 2029 in nur 31.000 km Entfernung an der Erde vorbeifliegen, näher als geostationäre Satelliten, und mit bloßem Auge sichtbar sein.

Apophis (Asteroid)
Radarbilder von Asteroid 99942 Apophis, aufgenommen am 8., 9. und 10. März 2021 mit dem Goldstone-Radioteleskop und dem Green Bank Telescope. Credit: NASA/JPL-Caltech und NSF/AUI/GBO

Entdeckung und der erste Schock

Roy Tucker, David Tholen und Fabrizio Bernardi entdeckten Apophis am 19. Juni 2004 am Kitt-Peak-Observatorium in Arizona. Die ersten Bahnberechnungen lösten weltweite Besorgnis aus: Die Einschlagwahrscheinlichkeit für 2029 wurde zunächst auf 2,7 Prozent geschätzt, der höchste Wert, den ein Asteroid dieser Größe je auf der Turiner Skala erreicht hatte, Stufe 4 von 10.

Für einige Tage stand Apophis als reale Bedrohung in den Schlagzeilen. Weitere Beobachtungen und ältere Archivaufnahmen bestimmten die Bahn genauer und schlossen einen Einschlag 2029 aus. Ein winziges Restrisiko für 2036 blieb noch einige Jahre bestehen.

Endgültige Entwarnung 2021

Im März 2021 beobachteten das Goldstone Deep Space Communications Complex in Kalifornien und das Green Bank Telescope in West Virginia den Asteroiden per Radar. Diese Messungen bestimmten seine Bahn so genau, dass Wissenschaftler einen Einschlag für mindestens 100 Jahre ausschließen konnten. Apophis wurde daraufhin von der Sentry Impact Risk Table der NASA gestrichen. Seitdem ist klar: Der 13. April 2029 wird kein Tag der Katastrophe, sondern ein Tag der Wissenschaft.

Physikalische Eigenschaften: ein fliegender Schutthaufen

Apophis hat einen mittleren Durchmesser von etwa 340 Metern, seine Längsachse misst mindestens 450 Meter. Radarbilder zeigen eine zweigeteilte, erdnussartige Form. Seine Masse liegt zwischen 4,4 und 6,2 mal zehn hoch zehn Kilogramm, und er umkreist die Sonne in rund 323 Tagen auf einer Bahn, die regelmäßig die Erdbahn kreuzt.

Infrarotmessungen des Herschel-Teleskops und Ähnlichkeiten zum Asteroiden Itokawa deuten auf eine Rubble-Pile-Struktur hin. Apophis ist vermutlich kein massiver Felsblock, sondern ein lose gebundener Haufen aus Gesteinsbrocken, zusammengehalten allein durch die eigene schwache Schwerkraft.

Warum Apophis so schwer zu berechnen war: das Schlüsselloch

Dass die Wissenschaftler den Einschlag erst nach Jahren sicher ausschließen konnten, lag an zwei Dingen: einem winzigen physikalischen Effekt und einem Punkt im Raum, der über Jahrzehnte entscheidet.

Der Yarkovsky-Effekt ist eine schwache, aber stetige Kraft. Ein Asteroid absorbiert Sonnenlicht, erwärmt sich und strahlt die Wärme zeitversetzt wieder ab. Dieser Rückstoß wirkt wie ein extrem schwaches Triebwerk und verschiebt die Bahn über Jahre messbar. Für ein kleines Objekt wie Apophis ist der Effekt groß genug, um Vorhersagen über Jahrzehnte zu verändern, und genau er machte die Rechnung so heikel.

Dazu kommt das Schlüsselloch, englisch keyhole. Das ist ein nur wenige hundert Meter breiter Bereich im Raum, den Apophis beim Vorbeiflug 2029 durchqueren müsste, damit die Schwerkraft der Erde seine Bahn auf einen späteren Kollisionskurs biegt. Simulationen zeigten 2013, dass Apophis über ein solches Schlüsselloch 2029 auf einen nahen Vorbeiflug 2051 und von dort über ein weiteres Schlüsselloch auf einen möglichen Einschlag 2068 gelenkt werden könnte. Das entscheidende Schlüsselloch lag rund 212 Kilometer neben der tatsächlichen Bahn, die Chance es zu treffen bei etwa zwei zu einer Million. Die Radarmessungen von 2021 bestimmten die Bahn schließlich so genau, samt der winzigen Yarkovsky-Drift, dass auch dieses letzte Szenario vom Tisch war.

Der Vorbeiflug am 13. April 2029

Am Abend des 13. April 2029 wird Apophis zunächst als schwacher Lichtpunkt erscheinen und über den Atlantik ziehend rasch heller werden. Die größte Annäherung erfolgt um 21:46 UTC in nur rund 31.000 Kilometern Höhe, näher als die geostationären Satelliten in 36.000 Kilometern. So nah, dass die Gezeitenkräfte der Erde den Rotationszustand des Asteroiden verändern und seine Oberfläche umgestalten könnten.

So beobachtest du Apophis 2029
Wann: 13. April 2029, größte Nähe 21:46 UTC
Wo: Europa, Afrika und Westasien
Helligkeit: rund 3,1 mag, mit bloßem Auge sichtbar
Dauer: gut eine Stunde, langsam über den Himmel wandernd
Hilfsmittel: ein Fernglas verstärkt das Erlebnis, nötig ist es nicht

Es ist das erste Mal in der aufgezeichneten Geschichte, dass ein Asteroid dieser Größe für Milliarden Menschen ohne Hilfsmittel sichtbar an der Erde vorbeizieht.

Die Flugbahn im Maßstab: näher als die Satelliten

Das Bemerkenswerteste am Vorbeiflug ist die Nähe. Apophis taucht 2029 unter den Ring der geostationären Satelliten und kommt der Erde damit näher als viele unserer eigenen Fernseh- und Wettersatelliten. Das folgende Diagramm zeigt die Verhältnisse maßstabsgetreu für den erdnahen Bereich.

Apophis-Vorbeiflug am 13. April 2029Maßstabsgetreu im erdnahen BereichErdeApophisApophis: nächster Punkt 31.000 kmGeostationäre Satelliten: 36.000 kmDer Mond ist rund zehnmal weiter (außerhalb des Bildes)

Trotz dieser Nähe besteht keine Gefahr. Die Bahn ist auf wenige Kilometer genau bekannt, ein Einschlag ist für mindestens hundert Jahre ausgeschlossen.

Ein Asteroid unter Stress: was 2029 enthüllt wird

Der Vorbeiflug ist kein bloßes Schauspiel, sondern ein einmaliges Experiment, das die Natur gratis liefert. Wenn Apophis der Erde so nahe kommt, zieht ihre Schwerkraft an der erdzugewandten Seite stärker als an der abgewandten. Diese Gezeitenkräfte verformen den lose gebundenen Schutthaufen, können seinen Taumel verändern und Material auf ohnehin steilen Hängen in Bewegung bringen.

Modellrechnungen sagen voraus, dass rund ein Prozent der Oberfläche etwa 30 Minuten vor der größten Annäherung umgestaltet wird. Regolith, die lose Decke aus Staub und Gestein, rutscht hangabwärts und legt darunter frischeres, von der Weltraumverwitterung unberührtes Material frei. Gleichzeitig erwarten Forscher kurze, durch die Gezeiten ausgelöste Beben, die hochfrequente Erschütterungen über die Oberfläche schicken, messbar mit modernen Seismometern. Genau dafür trägt der Ramses-Lander ein Seismometer an Bord.

Für die Wissenschaft ist das ein Glücksfall. Frische Hangrutsche, neue Narben und eine veränderte Rotation verraten, wie ein Rubble-Pile-Asteroid innen aufgebaut ist und wie fest sein loses Geröll zusammenhält. Dieses Wissen ist unmittelbar praktisch: Wer einen Asteroiden ablenken will, muss wissen, ob er einen festen Block oder einen fliegenden Schutthaufen vor sich hat.

Apophis im Vergleich

Wie ordnet sich Apophis zwischen harmlosen Brocken und globalen Katastrophen ein? Die Tabelle stellt ihn neben drei andere bekannte Objekte der planetaren Verteidigung.

ObjektGrößeEreignisStatus
Apophis~340 mVorbeiflug in 31.000 km, 2029Einschlag ausgeschlossen
2024 YR440 bis 60 mnaher Mondvorbeiflug 2032Einschlag ausgeschlossen
Dimorphos (DART)160 mgezielter Einschlag 2022Bahn erfolgreich verändert
Chicxulub-Impaktor~10 bis 15 kmEinschlag vor 66 Mio. JahrenMassenaussterben

OSIRIS-APEX und Ramses: zwei Sonden auf dem Weg

NASAs Sonde OSIRIS-REx brachte 2023 eine Probe des Asteroiden Bennu zur Erde. Danach wurde sie in OSIRIS-APEX umbenannt und fliegt weiter zu Apophis, wo sie etwa einen Monat nach dem Erdvorbeiflug eintrifft. Geplant ist ein Manöver, bei dem die Triebwerke nahe der Oberfläche zünden, um loses Material aufzuwirbeln und einen Blick unter die Kruste freizulegen.

Parallel entwickeln ESA und JAXA die Mission Ramses, kurz für Rapid Apophis Mission for Space Safety. Im November 2025 sicherten die ESA-Mitgliedsstaaten beim Ministerratstreffen die volle Finanzierung zu, ein Bauvertrag über 81,2 Millionen Euro ging an OHB Italia. Ramses startet im April 2028 mit einer japanischen H3-Rakete und erreicht Apophis schon im Februar 2029, zwei Monate vor dem Vorbeiflug. Zwei kleine CubeSats sollen den Asteroiden vor, während und nach der Passage vermessen.

Die Raumsonde OSIRIS-APEX, die Apophis nach dem Vorbeiflug 2029 untersuchen wird
NASA/Keegan Barber

Die internationale Asteroidenabwehr

Apophis steht im Zentrum einer ganzen Flotte von Missionen. NASAs DART-Sonde rammte 2022 den Asteroidenmond Dimorphos und verkürzte dessen Umlaufzeit messbar, der erste praktische Beweis, dass kinetische Ablenkung funktioniert. Die 2024 gestartete ESA-Sonde Hera untersucht den Einschlagsort ab 2026 im Detail.

China bereitet parallel seine erste Testmission zur planetaren Verteidigung vor, ein Doppelgespann aus Beobachter und Impaktor, das ab etwa 2027 zum erdnahen Asteroiden 2015 XF261 fliegen und dessen Bahn verändern soll. Innerhalb weniger Jahre ist die Asteroidenabwehr von einer theoretischen Idee zu einem aktiven, international koordinierten Forschungsfeld geworden, und Apophis ist ihr wichtigstes Übungsobjekt.

Die DART-Sonde demonstrierte 2022 erstmals die kinetische Ablenkung eines Asteroiden
NASA/Johns Hopkins APL

Wie man einen Asteroiden ablenkt

Apophis ist ungefährlich, aber er ist das ideale Übungsobjekt für den Ernstfall. Mehrere Methoden der Ablenkung stehen grundsätzlich zur Verfügung, jede mit eigenen Stärken.

Der kinetische Impaktor ist die einzige bereits erprobte Methode: Eine schwere Sonde rast mit hoher Geschwindigkeit in den Asteroiden und überträgt Impuls. NASAs DART hat das 2022 erfolgreich demonstriert. Der Gravitationstraktor arbeitet umgekehrt sanft, eine schwere Sonde fliegt jahrelang neben dem Asteroiden her und zieht ihn allein durch ihre Anziehungskraft langsam von der Bahn. Der Ionenstrahl-Hirte beschießt die Oberfläche mit einem Ionentriebwerk und schiebt den Brocken über Jahre weg. Als letzte Option gilt eine nukleare Sprengung in geringer Höhe, die eine Seite des Asteroiden verdampft und ihn durch den Rückstoß ablenkt, riskant, aber bei kurzer Vorwarnzeit die wirksamste Methode.

Entscheidend ist bei allen Verfahren die Zeit. Je früher man eingreift, desto kleiner muss die Bahnänderung sein. Eine Verschiebung um wenige Zentimeter pro Sekunde, Jahre im Voraus angesetzt, summiert sich bis zum kritischen Datum zu Tausenden Kilometern. Deshalb sind Frühwarnnetze wie das International Asteroid Warning Network so wichtig, sie sollen gefährliche Objekte finden, lange bevor eine Ablenkung überhaupt nötig wird.

Das Gedränge um Apophis: ein Wettlauf der Lander

Apophis wird 2029 nicht nur aus der Ferne beobachtet, sondern bekommt Besuch auf der Oberfläche. Bis zu drei Landegeräte sollen aufsetzen, während der Asteroid an der Erde vorbeizieht, und Europa ist dabei vorn. Die ESA-Sonde Ramses erreicht Apophis schon im Februar 2029 und setzt wenige Tage vor dem Vorbeiflug einen eigenen Lander ab, der mit einem Seismometer Erschütterungen und mögliche Erdrutsche aufzeichnet, die von der Schwerkraft der Erde ausgelöst werden.

Rund eine Woche nach dem Vorbeiflug folgt ein schuhkartongroßer Lander der japanischen Chiba Institute of Technology. Er wird aus 400 Metern Höhe abgesetzt, sinkt mit etwa zehn Zentimetern pro Sekunde und soll nach rund einer Stunde sanft aufsetzen, Bilder während des gesamten Abstiegs inklusive. Transportiert werden die Lander von der privaten US-Firma ExLabs, deren Sonde ApophisExL bereits 2028 startet und als erster kommerzieller Tiefraum-Mitflug gilt, unterstützt von NASAs Jet Propulsion Laboratory. Ein weiterer Lander stammt von einem bislang ungenannten Auftraggeber.

Für ein Objekt von nur 375 Metern Durchmesser wird es rund um Apophis also eng. Es ist das erste Mal, dass öffentliche Raumfahrtagenturen und private Firmen gemeinsam ein solches Ereignis ansteuern, ein Vorgeschmack auf die kommerzielle Erkundung erdnaher Asteroiden.

Der Schock von 2024 YR4

Ende 2024 wiederholte sich die Apophis-Geschichte in komprimierter Form. Der kleine Asteroid 2024 YR4, ein sogenannter City-Killer von 40 bis 60 Metern, erreichte Anfang 2025 eine Einschlagwahrscheinlichkeit für die Erde von rund drei Prozent für den 22. Dezember 2032, der höchste je gemessene Wert auf der Turiner Skala für ein Objekt dieser Größe.

Wie schon bei Apophis senkten genauere Beobachtungen das Erdrisiko rasch auf null. Stattdessen rückte ein möglicher Einschlag auf dem Mond in den Fokus, dessen Wahrscheinlichkeit bis Mai 2025 auf 4,3 Prozent stieg, bevor Aufnahmen des James-Webb-Teleskops im März 2026 auch das ausschlossen. 2024 YR4 führte vor, wie schnell ein neu entdecktes Objekt die Welt in Atem hält und wie sehr die Lehren aus dem Fall Apophis die heutige Frühwarnung prägen.

Apophis in der Science-Fiction

Für Autoren ist Apophis ein Geschenk: ein realer Asteroid, der zeitweise als Bedrohung galt, benannt nach einer Gottheit der Vernichtung. John Spencer Pritchetts Roman Asteroid Apophis: Lord of Chaos setzt die Uhr auf 43 Monate bis zum Einschlag und erzählt von den rivalisierenden Rettungsversuchen der Großmächte. Caron Riders Apophis geht weiter: Der Einschlag ist unvermeidlich, und Wissenschaftler erschaffen genetisch veränderte Kinder, um die Menschheit zu retten.

Das Thema der Asteroidenapokalypse durchzieht die SF von Larry Nivens und Jerry Pournelles Lucifers Hammer aus dem Jahr 1977 bis zu Neal Stephensons Seveneves von 2015. Apophis gab diesen Szenarien einen realen Namen und ein reales Datum.

Die Asteroiden-Apokalypse im Kino

Kein anderes kosmisches Szenario hat Hollywood so oft durchgespielt wie den Asteroideneinschlag. 1998 erschienen gleich zwei Blockbuster: Deep Impact erzählte vom Versuch, einen Kometen mit Nuklearsprengköpfen zu spalten, während Armageddon ein Bohrteam auf einen Asteroiden schickte. Beide nahmen sich wissenschaftliche Freiheiten, prägten aber das Bild der heldenhaften Rettung in letzter Sekunde.

Neuere Filme schlagen andere Töne an. Greenland von 2020 verlegt den Fokus auf das Überleben einer einzelnen Familie, während die Katastrophe unausweichlich näher rückt. Don't Look Up von 2021 nutzt einen herannahenden Kometen als bissige Satire auf gesellschaftliche Verdrängung und den Umgang mit wissenschaftlichen Warnungen. Apophis selbst hat bisher keinen großen Kinofilm bekommen, taucht aber regelmäßig in Romanen und Dokumentationen auf, weil sein realer Name und sein reales Datum jede fiktive Bedrohung glaubwürdiger machen.

Häufige Missverständnisse

Rund um Apophis kursieren mehr Mythen als Fakten. Drei der hartnäckigsten lassen sich schnell entkräften.

Apophis wird die Erde treffen. Falsch. Ein Einschlag ist für mindestens hundert Jahre ausgeschlossen, die Bahn ist auf wenige Kilometer genau bekannt, und der Vorbeiflug 2029 ist ungefährlich.

Sein Name ist eine Warnung. Der Name geht auf eine ägyptische Gottheit des Chaos zurück, gewählt aber von Fans der Serie Stargate, nicht von einem Orakel. Er sagt nichts über eine Gefahr aus.

Die Schwerkraft des Asteroiden löst auf der Erde Erdbeben oder Flutwellen aus. Auch das stimmt nicht. Apophis ist mit 340 Metern viel zu klein und mit 31.000 Kilometern viel zu weit entfernt, um auf der Erde spürbare Effekte zu erzeugen. Umgekehrt verformt die viel größere Erde sehr wohl den kleinen Asteroiden.

Zeitleiste: Entdeckung bis zum Vorbeiflug 2029

2004 – Entdeckung am Kitt Peak, kurzzeitig 2,7 Prozent Einschlagrisiko, Stufe 4 der Turiner Skala.

2021 – Radarmessungen schließen jeden Einschlag für mindestens 100 Jahre aus.

April 2028 – Start der ESA-Sonde Ramses mit einer H3-Rakete.

Februar 2029 – Ramses erreicht Apophis, zwei Monate vor dem Vorbeiflug.

13. April 2029 – Vorbeiflug in 31.000 km, mit bloßem Auge sichtbar.

Mai 2029 – OSIRIS-APEX trifft ein und untersucht den veränderten Asteroiden.

Wichtige Begriffe rund um Apophis

Ein paar Fachbegriffe tauchen rund um Apophis immer wieder auf. Hier die wichtigsten in Kürze.

Aten-Asteroid: Eine Klasse erdnaher Asteroiden, deren Bahn überwiegend innerhalb der Erdbahn liegt und diese kreuzt. Apophis gehört dazu.

Potenziell gefährlicher Asteroid (PHA): Ein Objekt, das der Erdbahn nahe kommt und groß genug ist, um bei einem Einschlag regionale Schäden anzurichten. Der Begriff bedeutet nicht, dass ein Einschlag bevorsteht.

Turiner Skala: Eine zehnstufige Skala für die Einschlaggefahr, bei der 0 keine Gefahr bedeutet und 10 einen sicheren globalen Einschlag. Apophis erreichte 2004 kurzzeitig Stufe 4, den höchsten je vergebenen Wert.

Palermo-Skala: Eine technische, logarithmische Skala für Fachleute, die das Risiko eines Objekts mit dem allgemeinen Hintergrundrisiko vergleicht.

Schlüsselloch (Keyhole): Ein nur wenige hundert Meter breiter Bereich im Raum. Fliegt ein Asteroid hindurch, lenkt die Schwerkraft der Erde ihn auf einen späteren Kollisionskurs.

Rubble Pile: Ein Asteroid, der kein massiver Felsblock ist, sondern ein lose durch die eigene Schwerkraft zusammengehaltener Haufen aus Gesteinsbrocken.

Yarkovsky-Effekt: Eine schwache Schubkraft durch die zeitversetzte Wärmeabstrahlung eines Asteroiden, die seine Bahn über Jahre messbar verschiebt.

Ausblick: das bestdokumentierte kosmische Ereignis

Der Vorbeiflug 2029 wird eines der am besten beobachteten Ereignisse der Weltraumgeschichte. Bodengestützte Teleskope, Weltraumteleskope, zwei dedizierte Raumsonden und Millionen Menschen mit bloßem Auge werden Apophis verfolgen. Die Daten werden unser Verständnis von Rubble-Pile-Asteroiden, Gezeitenwechselwirkungen und planetarer Verteidigung grundlegend erweitern. Für einen kurzen Moment wird die Menschheit einem kosmischen Geschoss zusehen, das haarscharf vorbeizieht.

Zitate

Apophis is a representative of about 2,000 currently known Potentially Hazardous Asteroids.

NASA/JPL CNEOS Erklärung zur Streichung von Apophis aus der Sentry Impact Risk Table, 2021

Having Ramses there in advance will provide a detailed 'before and after' view of how Apophis has been altered by its close encounter.

ESA Ankündigung der Ramses-Mission, 2024

The world will be watching. We don't want to screw it up.

Patrick Michel, Université Côte d'Azur Wissenschaftlicher Leiter der Ramses-Mission über die Koordination der Landemissionen bei Apophis, 2026
Der Asteroidensturm: Trifft Asteroid Apophis 2029 die Erde?

Häufige Fragen

Kann Apophis 2029 die Erde treffen?

Nein. Radarbeobachtungen von 2021 bestimmten die Bahn so genau, dass ein Einschlag für mindestens 100 Jahre ausgeschlossen werden konnte. Apophis wurde von der Sentry Impact Risk Table der NASA gestrichen.

Wie nah kommt Apophis 2029 der Erde?

Apophis wird am 13. April 2029 in etwa 31.000 Kilometern Entfernung vorbeifliegen. Das ist näher als geostationäre Satelliten (36.000 km) und etwa ein Zehntel der Entfernung zum Mond. Er wird von Teilen Europas, Afrikas und Asiens mit bloßem Auge sichtbar sein.

Was würde bei einem Einschlag von Apophis passieren?

Ein Einschlag eines 340-Meter-Asteroiden würde eine Energie von mehreren hundert Megatonnen TNT freisetzen. Das wäre kein globales Auslöschungsereignis wie beim Chicxulub-Einschlag, aber es könnte eine ganze Region verwüsten und globale Klimaeffekte durch aufgewirbelten Staub auslösen.

Welche Raumsonden werden Apophis besuchen?

Zwei Missionen sind geplant: NASAs OSIRIS-APEX (die umbenannte OSIRIS-REx-Sonde) trifft etwa einen Monat nach dem Vorbeiflug ein. ESAs Ramses-Mission (gemeinsam mit JAXA) soll bereits zwei Monate vor dem Erdvorbeiflug ankommen und den Asteroiden vor, während und nach der Passage beobachten.

Wann und wo ist Apophis 2029 mit bloßem Auge sichtbar?

Am Abend des 13. April 2029 zieht Apophis über Europa, Afrika und Westasien als langsam wandernder Lichtpunkt über den Himmel. Er erreicht etwa 3,1 Magnitude, vergleichbar mit den Sternen des Großen Wagens, und ist rund eine Stunde lang auch ohne Fernglas zu sehen. Die größte Annäherung erfolgt gegen 21:46 UTC.

Warum heißt der Asteroid Apophis?

Der Name stammt von Apophis, in der altägyptischen Mythologie dem Gott des Chaos und der Zerstörung, der jede Nacht versuchte, die Sonnenbarke des Sonnengottes Ra zu verschlingen. Die Entdecker waren zugleich Fans der Serie Stargate SG-1, in der ein wiederkehrender Bösewicht denselben Namen trägt.

Was ist die Ramses-Mission?

Ramses (Rapid Apophis Mission for Space Safety) ist eine gemeinsame Mission von ESA und JAXA. Sie soll im April 2028 starten und Apophis im Februar 2029 erreichen, zwei Monate vor dem Erdvorbeiflug, um in Echtzeit zu messen, wie die Schwerkraft der Erde den Asteroiden verändert. Seit November 2025 ist die Mission voll finanziert.

Wird Apophis 2036 oder 2069 für die Erde gefährlich?

Nein. Frühere Berechnungen hielten für die späteren nahen Vorbeiflüge 2036 und 2069 ein winziges Restrisiko offen, falls Apophis 2029 durch ein sogenanntes Schlüsselloch im Raum fliegt. Die Radarmessungen von 2021 schlossen jeden Einschlag für mindestens hundert Jahre aus, auch für 2036 und 2069.

Was ist ein gravitatives Schlüsselloch?

Ein Schlüsselloch ist ein nur wenige hundert Meter breiter Bereich im Raum. Fliegt ein Asteroid beim Vorbeiflug genau hindurch, lenkt die Schwerkraft der Erde ihn auf einen Kurs, der Jahre oder Jahrzehnte später zu einem Einschlag führen kann. Apophis verfehlt sein kritisches Schlüsselloch beim Vorbeiflug 2029.

Was ist der Yarkovsky-Effekt?

Der Yarkovsky-Effekt ist eine schwache Schubkraft, die entsteht, weil ein Asteroid absorbiertes Sonnenlicht zeitversetzt als Wärme wieder abstrahlt. Über Jahre verschiebt das seine Bahn messbar und macht präzise Langzeitvorhersagen für kleine Objekte wie Apophis aufwendig.

Kann man Apophis von Deutschland aus sehen?

Ja. Am 13. April 2029 ist Apophis von Europa aus, also auch von Deutschland, bei klarem dunklem Himmel mit bloßem Auge als langsam wandernder Lichtpunkt sichtbar. Er erreicht etwa 3,1 Magnitude, vergleichbar mit den Sternen des Großen Wagens.

Warum ist Apophis für die Wissenschaft so wertvoll?

Der Vorbeiflug ist ein natürliches Experiment. Die Gezeitenkräfte der Erde verformen den Asteroiden, lösen Beben und Hangrutsche aus und legen frisches Material frei. Daraus lernen Forscher, wie ein Rubble-Pile-Asteroid innen aufgebaut ist, Wissen, das man für eine echte Ablenkung im Ernstfall braucht.

Was unterscheidet Apophis von 2024 YR4?

Apophis ist mit rund 340 Metern deutlich größer als 2024 YR4 mit 40 bis 60 Metern. Beide sorgten kurzzeitig für hohe Einschlagwahrscheinlichkeiten, die sich nach genaueren Messungen auflösten. Bei 2024 YR4 ging es zuletzt um einen möglichen Mondeinschlag 2032, der im März 2026 ausgeschlossen wurde.

Aus dem Forum

Diskutiere diesen Begriff mit Lesern und Autoren im BuchKnall-Forum.

Im Forum diskutieren
Diesen Eintrag zitieren

Apophis (Asteroid). In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/apophis/ (abgerufen am 01.07.2026).