Persönlichkeit

H.G. Wells

Britischer Autor des späten 19. Jahrhunderts, dessen Romane 'Die Zeitmaschine', 'Krieg der Welten' und 'Die Insel des Dr. Moreau' die Science-Fiction als Genre begründeten.

Herbert George Wells (1866–1946) gilt neben Jules Verne als Vater der modernen Science-Fiction. Geboren in Bromley, Kent, als Sohn eines Cricketers und einer Haushälterin, studierte er Biologie unter Thomas Henry Huxley, einem Schüler Darwins. Diese naturwissenschaftliche Ausbildung prägte sein gesamtes literarisches Schaffen.

Mit 'The Time Machine' (1895) erfand Wells die Zeitreise als literarisches Konzept. Die Erzählung eines Zeitreisenden, der in eine ferne Zukunft reist und dort die Spaltung der Menschheit in Eloi und Morlocks vorfindet, war gleichzeitig viktorianische Gesellschaftskritik und visionäre Spekulation.

'The War of the Worlds' (1898) definierte die Alien-Invasion. Wells verlegte den Angriff nach Surrey, beschrieb die Marsianer mit ihren Dreibein-Kampfmaschinen und Hitzestrahlen mit journalistischer Unmittelbarkeit. Orson Welles' Radioadaption von 1938 löste eine Massenpanik aus, die zum Medien-Mythos wurde.

'The Island of Doctor Moreau' (1896) behandelte Genmanipulation und die Grenze zwischen Mensch und Tier, Jahrzehnte bevor die Genetik als Wissenschaft existierte. 'The Invisible Man' (1897) erforschte die psychologischen Folgen einer Supertechnologie. 'The First Men in the Moon' (1901) beschrieb die Mondreise mit einer Anti-Schwerkraft-Substanz namens Cavorit.

Wells war mehr als ein Unterhaltungsautor. Er schrieb über 100 Bücher, darunter 'The Outline of History', engagierte sich für den Völkerbund und traf sich mit Stalin und Roosevelt. Seine Voraussagen umfassten Atombomben ('The World Set Free', 1914), Panzer und das World Wide Web. Er verstand Science-Fiction als Werkzeug, um gesellschaftliche Zukünfte durchzuspielen, und legte damit das intellektuelle Fundament für das gesamte Genre.

Wells unterscheidet sich von Verne nicht nur im Stil, sondern in der grundsätzlichen Haltung. Verne war Ingenieur der Phantasie: Er fragte, wie Technologie die Welt verändern könnte. Wells war Gesellschaftskritiker: Er fragte, was Technologie mit Menschen macht und wie Klassen, Rassen und Machtstrukturen in die Zukunft mitreisen. Diese Unterscheidung definiert bis heute zwei Hauptstränge der Science Fiction.

Seine Voraussagen zum Atomkrieg in 'The World Set Free' (1914) sind erschreckend präzise. Er beschreibt Bomben, die aus Flugzeugen geworfen werden und dauerhaft strahlen. Das Buch erschien 1914, ein Jahr vor dem Ersten Weltkrieg, und beschreibt eine Welt, die 1954 aussieht. Leo Szilard, einer der Kernphysiker hinter dem Manhattan-Projekt, nannte Wells' Buch als direkte Inspiration für seine Arbeit an der Kettenreaktion.

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H.G. Wells. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/hg-wells/ (abgerufen am 01.07.2026).

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