Kolonisierung

Marshabitat

Wohnen auf dem Mars, etwa in aufblasbaren Modulen, 3D-gedruckten Regolith-Iglus und unterirdischen Lavatunneln.

Ein Marshabitat muss Bewohner vor Strahlung (keine Magnetosphäre), extremer Kälte (-60 °C Durchschnitt), geringem Luftdruck (0,6 % der Erde) und Marsstaub schützen und gleichzeitig Sauerstoff, Wasser und Nahrung bereitstellen.

NASAs 3D-Printed Habitat Challenge (2015–2019) ermutigte Ingenieurteams, druckbare Marshabitate zu entwerfen. Das Gewinner-Design von AI SpaceFactory (MARSHA) war ein eiförmiges, doppelwandiges Habitat aus einem Basalt-Bioplastik-Verbundwerkstoff, der aus Mars-Rohstoffen herstellbar wäre.

Aktuelle Habitat-Konzepte umfassen: Aufblasbare Module (wie Bigelow B330/BEAM, getestet auf der ISS seit 2016), die kompakt transportiert und vor Ort aufgeblasen werden. Regolith-geschützte Habitate, bei denen Sandsäcke oder geschmolzener Regolith als Strahlenschutz über die Struktur geschichtet werden. Ice Home (NASA Langley), ein aufblasbares Habitat, das mit Wassereis gefüllt wird, das Eis isoliert, schirmt Strahlung ab und ist transparent für sichtbares Licht.

Für die erste Crew (4–6 Personen) wird das Habitat wahrscheinlich direkt als Nutzlast auf einem Starship oder einer SLS-Folgemission landen. Langfristig ist eine Kombination aus vorgefertigten und vor Ort gebauten Strukturen am wahrscheinlichsten.

Gerade die unsichtbare Bedrohung durch Strahlung prägt die Architektur eines Marshabitats stärker als jede andere Anforderung. Weil dem Mars das schützende Magnetfeld fehlt und seine dünne Atmosphäre kaum bremst, erreichen kosmische Strahlung und Sonnenpartikel die Oberfläche nahezu ungehindert. Ein Habitat, das wie ein irdisches Haus mit großen Fenstern gebaut wäre, würde seine Bewohner über die Jahre einer gefährlichen Dosis aussetzen. Die wirksamste Antwort ist Masse: eine dicke Schicht aus Regolith, Wassereis oder Sandsäcken über der eigentlichen Struktur, die die Strahlung abfängt. Genau deshalb laufen viele Konzepte darauf hinaus, das Habitat teilweise einzugraben, mit Boden zu überschütten oder gleich in einen natürlichen Lavatunnel zu verlegen, der von Natur aus Schutz bietet. Das verändert das Bild des Lebens auf dem Mars grundlegend, denn statt unter freiem rotem Himmel zu wohnen, würden die ersten Siedler eher in geschützten, höhlenartigen Räumen leben. Das Marshabitat ist damit weniger ein architektonisches Schmuckstück als ein sorgfältig abgeschirmter Überlebensraum, in dem jede Wand eine Schutzfunktion erfüllt.

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Marshabitat. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/marshabitat/ (abgerufen am 01.07.2026).