Nemesis
Hypothetischer Begleitstern der Sonne, der periodisch Kometeneinschläge auslösen könnte.
Die Nemesis-Hypothese entstand 1984 aus einer verblüffenden Beobachtung: Massenaussterben in der Erdgeschichte scheinen in einem Rhythmus von etwa 26 Millionen Jahren aufzutreten. Die Paläontologen David Raup und Jack Sepkoski fragten sich, ob ein astronomischer Mechanismus dahinterstecken könnte.
Die Antwort wäre Nemesis, ein schwacher roter Zwerg- oder brauner Zwergstern auf einer extrem langgestreckten Bahn um die Sonne. Alle 26 Millionen Jahre würde Nemesis durch die Oortsche Wolke pflügen, Kometenbahnen stören und einen Hagel aus Kometen ins innere Sonnensystem schleudern. Manche davon würden die Erde treffen.
Bis heute wurde Nemesis trotz systematischer Suche nie gefunden. Die WISE-Durchmusterung des gesamten Himmels im Infrarot hätte einen Stern dieser Größe in Sonnennähe aufspüren müssen. Die periodischen Massenaussterben sind statistisch umstritten, und es gibt einfachere Erklärungen für die beobachteten Muster. In der Science Fiction ist Nemesis ein beliebtes Motiv: ein unsichtbarer Todesstern, der alle Millionen Jahre Verwüstung bringt.
Die Faszination der Nemesis-Hypothese liegt in ihrer Eleganz: Ein einziger unsichtbarer Stern würde das Massenaussterben der Erde zum Teil eines kosmischen Takts machen. Dass Raup und Sepkoski den Rhythmus in Fossilfunden zu lesen glaubten, klingt beinahe nach Science Fiction selbst, nach einem verborgenen Mechanismus hinter dem scheinbaren Chaos der Erdgeschichte. Populärisiert wurde die Idee unter anderem durch den Astronom Carl Sagan, der die Hypothese in seinen Werken erwähnte und damit einem breiten Publikum zugänglich machte.
In der Fiktion hat Nemesis ein direktes Echo in Konzepten wie dem Dunklen Stern oder dem Todesplaneten gefunden. Larry Nivens und Jerry Pournelles Luzifers Hammer oder Greg Bears Eon spielen zwar nicht direkt mit Nemesis, aber mit der verwandten Angst vor einem periodisch zurückkehrenden Killer aus dem All. Das Sci-Fi-Genre hat die Hypothese vor allem als Rahmen verwendet, um Massenaussterben nicht als Pech darzustellen, sondern als Mechanismus, der wiederkehrt und dem man begegnen kann. Dass die WISE-Infrarot-Durchmusterung keinen Kandidaten fand, ist keine traurige Nachricht, sondern schlicht das Ergebnis einer ernsthaften Suche.
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Nemesis. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/nemesis/ (abgerufen am 01.07.2026).
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