Raumschiff

Nostromo

Industriefrachter der Weyland-Yutani Corporation, Schauplatz des Alien-Albtraums von 1979.

Spoiler-Warnung: Dieser Eintrag enthält Handlungsdetails aus Alien (1979).

Die USCSS Nostromo ist kein glänzendes Entdeckungsschiff, kein militärischer Kreuzer, kein diplomatisches Flaggschiff. Sie ist ein abgeranzter Erzschlepper mit einer müden Crew, die nur nach Hause will. Genau das machte Alien so revolutionär: Ridley Scott zeigte, dass der Weltraum kein glamouröser Ort ist, sondern ein Arbeitsplatz.

Die Nostromo schleppt 20 Millionen Tonnen Erz durch den interstellaren Raum, die Crew besteht aus Arbeitern und Technikern, die über Bonuszahlungen streiten. Als der Bordcomputer MOTHER das Schiff zu einem unbekannten Signal umleitet, beginnt der Horror. Die Nostromo selbst ist ein Charakter: enge Gänge, tropfende Rohre, flackernde Lichter, industrielle Dunkelheit.

Designer Ron Cobb und H.R. Giger schufen eine Ästhetik des Used Future, die alles veränderte: Raumschiffe müssen nicht sauber sein. Sie können schmutzig, eng und klaustrophobisch sein. Jedes realistische SciFi-Schiff nach 1979 schuldet der Nostromo etwas.

Auch der Name trägt Bedeutung. Er stammt aus Joseph Conrads gleichnamigem Roman über Gier und Korruption, was zur kühlen Rolle des Weyland-Yutani-Konzerns passt, dem der Profit über Menschenleben geht. Im Film entpuppt sich das Schiff zudem als Falle: Der Bordcomputer und ein Mitglied der Crew folgen einer geheimen Konzernanweisung, die die übrige Besatzung als entbehrlich behandelt. So wird die Nostromo vom bloßen Schauplatz zum stillen Mitspieler des Grauens, ein klaustrophobischer Stahlsarg, in dem der eigentliche Feind ebenso im Inneren wie im Dunkeln lauert.

Ron Cobbs Design-Sprache für die Nostromo beeinflusste das gesamte nachfolgende SF-Kino. Der Begriff Used Future, die Ästhetik einer abgenutzten, reparaturbedürftigen Zukunftstechnologie, war zwar nicht neu (George Lucas nutzte ihn in Star Wars zwei Jahre zuvor), aber Cobbs Nostromo setzte ihn mit einer Konsequenz um, die das Industrielle in den Vordergrund rückte. Die Rohrleitungen, die Kabel, die verdreckten Wände: Das sind keine Fehler in der Requisite, das ist die Aussage.

Ridley Scotts Entscheidung, die Crew als Arbeiter darzustellen, die über Schichtlöhne und Boni streiten, verortete Alien in einer kapitalistischen Raumfahrtlogik, die bis heute nachwirkt. Die Nostromo ist kein Abenteuer-Vehikel, sie ist ein Job. Der Xenomorph ist nicht der einzige Feind: Das Unternehmen, das die Besatzung wissentlich als Versuchskaninchen opfert, ist der andere. Diese Doppelbedrohung, Natur und Kapital gleichzeitig, ist einer der Gründe, warum Alien trotz des Horror-Genres als politisch lesbares Werk wahrgenommen wird.

Die Nostromo wurde für den Filmdreh in tatsächlicher Lebensgröße teilweise gebaut. Die Gänge und Kontrollräume waren reale Kulissen, durch die Sigourney Weaver rannte. Das spürt man: Die Enge ist keine optische Täuschung. Das Schiff hat eine physische Präsenz, die reinen CGI-Konstruktionen bis heute fehlt.

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Nostromo. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/nostromo/ (abgerufen am 01.07.2026).

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