Under the Skin
Jonathan Glazers verstörender Film von 2013, in dem Scarlett Johansson eine Außerirdische spielt, die Männer in Glasgow anlockt und verschlingt.
Under the Skin (2013) ist einer der ungewöhnlichsten Science-Fiction-Filme, die je gedreht wurden. Scarlett Johansson spielt ein außerirdisches Wesen in menschlicher Gestalt, das in einem weißen Van durch Glasgow fährt und Männer anspricht. Die Männer folgen ihr in ein Haus, wo sie in eine schwarze Flüssigkeit einsinken und absorbiert werden.
Regisseur Jonathan Glazer drehte viele Szenen mit versteckten Kameras. Die Männer, die Johansson ansprach, waren keine Schauspieler, sondern echte Passanten, die nicht wussten, dass sie gefilmt wurden. Ihre Reaktionen auf eine attraktive Frau, die sie in ihren Van einlädt, sind ungefiltert und real.
Der Film basiert lose auf Michel Fabers gleichnamigem Roman, entfernt sich aber weit vom Quellmaterial. Wo der Roman konkret erklärt, was die Außerirdische ist und warum sie die Männer fängt, lässt Glazer den Zuschauer im Unklaren. Die Alien-Perspektive wird visuell umgesetzt: Glasgow wirkt fremd, die Schotten sprechen in einem Dialekt, der fast wie eine Fremdsprache klingt, und Mica Levis minimalistischer Score erzeugt permanentes Unbehagen.
Under the Skin ist ein Film über das Fremdsein, über den Blick von außen auf die Menschheit, und über den Moment, in dem das Fremde beginnt, Empathie zu entwickeln. Die Strandszene, in der die Protagonistin einem Kleinkind beim Schreien zusieht, ohne einzugreifen, gehört zu den verstörendsten Szenen der modernen Filmgeschichte.
Michel Fabers Roman (2000) ist genug anders vom Film, dass er separat gelesen werden kann. Faber erklärt von Anfang an, was Isserley ist und woher sie kommt. Er beschreibt die Logistik ihrer Arbeit mit sachlicher Präzision. Dieses Wissen macht den Roman nicht weniger erschütternd, sondern anders erschütternd: Man kennt die Maschinerie und sieht trotzdem menschliche Entwicklung entstehen, wo keine sein sollte.
Glazers Entscheidung, den Film ohne Erklärung zu erzählen, gibt dem Zuschauer die Erfahrung der Männer: Man weiß nicht, was da passiert, man folgt trotzdem. Das ist auf einer Meta-Ebene funktionierend, weil es die Attraktivität, die die Figur nutzt, auf die Filmerzählung selbst überträgt. Glazer hat in Interviews erklärt, dass er den Film von der Peripherie her erzählen wollte, nie direkt.
Mica Levis Soundtrack für Under the Skin ist ein eigenständiges Kunstwerk. Die Streichinstrumente spielen Töne, die keine Melodien bilden, sondern Spannungen erzeugen. Der Score klingt wie eine Sprache, die man fast versteht, und dieser permanente Halbverstehens-Zustand ist das Kerngefühl des Films. Levine wurde danach für 'Jackie' mit Natalie Portman gebucht, und auch das war ein Oscar-nominierter Score.
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Under the Skin. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/under-the-skin/ (abgerufen am 01.07.2026).
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