Verfilmung

12 Monkeys

Terry Gilliams düsterer Zeitreise-Thriller über einen Mann, der in die Vergangenheit geschickt wird, um eine tödliche Pandemie zu verhindern.

12 Monkeys (1995) ist einer der besten Zeitreise-Filme überhaupt und zeigt Terry Gilliam auf dem Höhepunkt seiner Kunst. Inspiriert von Chris Markers experimentellem Kurzfilm La Jetée (1962) erzählt der Film von James Cole (Bruce Willis), einem Häftling aus einer postapokalyptischen Zukunft, der in die Vergangenheit geschickt wird, um den Ursprung eines Virus zu finden, das 1996 den Großteil der Menschheit auslöschte.

Das Brillante an 12 Monkeys ist, dass die Zeitreise das Problem nicht löst, sondern Teil des Problems ist. Cole kann die Vergangenheit nicht ändern; er kann nur Informationen sammeln. Die Zukunft, aus der er kommt, ist bereits passiert. Der Film ist streng deterministisch: Die Zeitlinie ist geschlossen, und Coles Versuche, die Katastrophe zu verhindern, führen unweigerlich zu genau den Ereignissen, die sie auslösen.

Brad Pitt liefert als Jeffrey Goines, der manische Sohn eines Virologen, eine Oscar-nominierte Performance ab. Die Beziehung zwischen dem vernarbten, verwirrten Cole und der Psychiaterin Dr. Railly (Madeleine Stowe) entwickelt sich von klinischer Distanz zu verzweifelter Verbundenheit.

Gilliams Inszenierung ist klaustrophobisch und paranoid. Die Zukunft ist ein unterirdisches Labyrinth aus Rohren und Dreck. Die Gegenwart wirkt durch Coles Augen ebenso befremdlich. Der Film stellt die Frage, ob Cole wirklich ein Zeitreisender ist oder einfach wahnsinnig, und lässt die Antwort bis zum Ende in der Schwebe.

12 Monkeys wurde 2015 als TV-Serie adaptiert, die über vier Staffeln eine deutlich erweiterte Version der Geschichte erzählte. Das Original bleibt jedoch unerreicht in seiner atmosphärischen Dichte.

La Jetée (Chris Marker, 1962), der Kurzfilm, auf dem der Film basiert, ist 28 Minuten lang und besteht fast vollständig aus Standbildern mit Voice-Over-Narration. Er gilt als einer der bedeutendsten Kurzfilme der Filmgeschichte und beschreibt dieselbe Zeitreise-Prämisse, aber reduziert auf das absolut Wesentliche. Der Moment, in dem im Original ein einziges bewegtes Bild vorkommt, ist einer der stärksten filmischen Momente der Kinogeschichte. Wer 12 Monkeys gesehen hat, muss La Jetée sehen.

Terry Gilliams Chaos-Ästhetik passt zur Prämisse. Gilliam (Brazil, Fear and Loathing in Las Vegas) inszeniert Welten, die kurz vor dem Zusammenbruch stehen, in denen Bürokratie und Irrsinn ineinandergreifen. Die Zukunft in 12 Monkeys ist eine Erweiterung von Brazils Dystopie: kaputt, improvisiert, absurd gefährlich. Coles Zeitreisen in die Vergangenheit erzeugen durch den Kontrast zur verwitterten Zukunft eine eigentümliche Hoffnung, die sich als Täuschung erweist.

Das deterministische Zeitbild ist philosophisch konsistenter als in den meisten Zeitreise-Filmen. Cole kann nichts ändern, weil er es nicht kann, nicht weil er es nicht will. Das Universum erlaubt keine alternativen Zeitlinien: Er sieht als Kind, wie er als Erwachsener stirbt. Das ist keine Zufall, das ist geschlossene Kausalität. Für Zuschauer, die das weiterdenken wollen: Nick Bostrom schreibt über deterministische Zeitstrukturen, und Daniel Dennetts 'Freedom Evolves' behandelt kompatibilistische Freiheitskonzepte.

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12 Monkeys. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/12-monkeys/ (abgerufen am 01.07.2026).

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