Solaris (2002)
Steven Soderberghs meditative Neuverfilmung von Stanislaw Lems Roman über einen Planeten, der die tiefsten Erinnerungen seiner Besucher materialisiert.
Steven Soderberghs Solaris (2002) ist ein seltener Fall einer Neuverfilmung, die neben dem Original (Tarkowskis Version von 1972) bestehen kann, indem sie einen völlig anderen Fokus wählt. Während Tarkowski das kosmische Mysterium betonte, konzentriert sich Soderbergh auf die menschliche Trauer.
George Clooney spielt den Psychologen Chris Kelvin, der zu einer Raumstation geschickt wird, die den Ozeanplaneten Solaris umkreist. Die Besatzung verhält sich verstört und verängstigt. Bald versteht Kelvin warum: Der Planet erzeugt physische Kopien von Menschen aus den Erinnerungen der Stationsbewohner. Kelvins tote Ehefrau Rheya (Natascha McElhone) erscheint in seiner Kabine, so real wie ein lebender Mensch.
Die zentrale Frage des Films ist existenziell: Wenn eine perfekte Kopie eines geliebten Menschen vor dir steht, die genauso aussieht, spricht und fühlt wie das Original, ist sie dann real? Verdient sie Liebe? Und wenn ja: Ist es Liebe zu ihr oder zu deiner Erinnerung an sie?
Soderbergh inszeniert mit einer stillen, fast hypnotischen Ruhe. Der Film hat wenig Action, wenig Dialog und viel Stille. Die Bilder sind in kühles Blau und warmes Gold getaucht. Cliff Martinez' Soundtrack ist einer der schönsten in der SF-Filmgeschichte: Synthesizer-Klänge, die zwischen Sehnsucht und kosmischer Weite schweben.
Der Film war an den Kinokassen ein Misserfolg. Das Publikum erwartete einen Clooney-Thriller und bekam eine Meditation über Verlust. Im Rückblick ist Solaris einer der poetischsten SF-Filme des 21. Jahrhunderts.
Der Vergleich mit Tarkowski zeigt die unterschiedlichen Möglichkeiten des Materials. Tarkowski (1972) interessiert der Planet als philosophisches Objekt: ein Bewusstsein, das wir nicht verstehen können, das aber antwortet. Soderbergh interessiert die Frage, was es bedeutet, wenn das Geliebte zurückkommt. Beide Interpretationen sind im Roman angelegt. Lem selbst mochte beide Verfilmungen nur bedingt, weil er den psychologischen Fokus als Vereinfachung sah. Im Roman bleibt der Planet radikal unverständlich.
Cliff Martinez' Soundtrack ist untrennbar von Soderberghs Version. Martinez hatte zuvor für Soderbergh den Traffic-Score geschrieben, bewegte sich aber hier in andere Richtungen: Synthesizer-Klänge, die sich langsam entfalten, Stille als Kompositionselement, und eine Melodielinie, die nie ganz auflöst. Der Score klingt nach Sehnsucht, die keine Auflösung findet, was die Grundstimmung des Films präzise beschreibt.
Für Leser, die nach dem Film Lems Roman lesen wollen: Die deutsche Übersetzung von Solaris erschien ursprünglich aus dem Deutschen in eine andere Sprache und dann zurück, was Lems Stilistik verfälschte. Die Neuübersetzung von 2018 (Hanser) ist die erste direkte Übersetzung aus dem Polnischen ins Deutsche und gilt als wesentlich werkgetreuer. Das ist eine Empfehlung, die relevant ist.
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Solaris (2002). In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/solaris-2002/ (abgerufen am 01.07.2026).
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