Andromedagalaxie
Die nächste große Spiralgalaxie zur Milchstraße, rund 2,5 Millionen Lichtjahre entfernt und das fernste Objekt, das man mit bloßem Auge sehen kann. Über eine Billion Sterne, Katalognummer Messier 31.
Was ist die Andromedagalaxie (M31)?
Die Andromedagalaxie ist die nächste große Spiralgalaxie zur Milchstraße. Im Katalog des französischen Astronomen Charles Messier trägt sie die Nummer 31, im New General Catalogue die Nummer 224. Sie liegt im Sternbild Andromeda, rund 2,5 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt, und bildet zusammen mit der Milchstraße das Schwergewicht der Lokalen Gruppe, unseres unmittelbaren galaktischen Nachbarschaftsverbands.
Mit über einer Billion Sternen enthält Andromeda deutlich mehr Sterne als die Milchstraße, die auf 100 bis 400 Milliarden geschätzt wird. Ihr Durchmesser wird je nach Messmethode mit 152.000 bis 220.000 Lichtjahren angegeben, ihre Scheibe ist also größer als die unserer Heimatgalaxie. Astronomen führen M31 meist als Spiralgalaxie vom Typ SA(s)b. Ob sie eine ausgeprägte Balkenstruktur besitzt, ist nicht abschließend geklärt, Infrarotdaten deuten auf einen Balken hin.
Das Projekt PHAT (Panchromatic Hubble Andromeda Treasury) kartierte mit dem Hubble-Teleskop über 100 Millionen einzelne Sterne in M31 und zeichnet ein komplexes Bild: mehrere Ringstrukturen, eine leicht verbogene Scheibe und Spuren früherer Verschmelzungen mit kleineren Begleitgalaxien. Begleitet wird Andromeda von mindestens rund 35 Satellitengalaxien, am bekanntesten die kompakten Zwerggalaxien M32 und M110, die auf vielen Aufnahmen direkt neben der hellen Scheibe sitzen.
Wie weit ist die Andromedagalaxie entfernt?
Die Entfernung beträgt rund 2,5 Millionen Lichtjahre, genauer etwa 2,537 Millionen Lichtjahre oder 765 Kiloparsec. Das Licht, das heute bei uns ankommt, hat die Galaxie vor 2,5 Millionen Jahren verlassen, lange bevor der moderne Mensch existierte.
Damit ist Andromeda die nächste große Galaxie, aber nicht der nächste kosmische Nachbar überhaupt. Mehrere Zwerggalaxien und die Magellanschen Wolken liegen näher. Unter den großen Spiralgalaxien ist M31 jedoch die erste auf der Liste und ein guter Maßstab dafür, wie leer der Raum zwischen den Galaxien ist.
Kann man die Andromedagalaxie mit bloßem Auge sehen?
Ja. Mit einer scheinbaren Helligkeit von 3,4 mag gehört Andromeda zu den hellsten Objekten im Messier-Katalog. In einer dunklen, mondlosen Nacht erscheint sie als blasser, länglicher Lichtfleck im Sternbild Andromeda. Sie ist das am weitesten entfernte Objekt, das ein Mensch ohne Hilfsmittel sehen kann. Wer M31 mit bloßem Auge erkennt, blickt 2,5 Millionen Jahre in die Vergangenheit.
Schon ein einfaches Fernglas zeigt den hellen Kern deutlicher und lässt die elliptische Form erahnen. Ein kleines Teleskop bringt Staubbänder und die beiden hellsten Begleiter M32 und M110 ins Bild. Die volle Spiralstruktur bleibt visuell schwer fassbar, weil sich das Licht über eine große Fläche verteilt. Sie tritt erst auf Langzeitaufnahmen klar hervor.
Wann und wie beobachtet man die Andromedagalaxie?
Die beste Zeit für Mitteleuropa sind die Herbst- und frühen Wintermonate, etwa von September bis Dezember, wenn Andromeda abends hoch am Himmel steht. Entscheidend ist ein möglichst dunkler Standort fernab vom Stadtlicht, denn die Galaxie ist flächenhaft und verschwindet schnell im Lichtsmog.
Zum Auffinden hilft das auffällige Himmels-W der Kassiopeia, dessen tiefere Hälfte wie ein Pfeil grob in Richtung Andromeda zeigt. Wer das große Pegasus-Quadrat kennt, geht von dessen linker oberer Ecke zwei Sternenketten ab. Auf etwa halber Höhe der zweiten Kette sitzt der neblige Fleck. Beim ersten Versuch lohnt es sich, mit dem Fernglas zu suchen und dann mit bloßem Auge nachzuschauen.
Wird die Andromedagalaxie mit der Milchstraße kollidieren?
Über ein Jahrzehnt lang galt als gesichert, dass Andromeda und Milchstraße in rund fünf Milliarden Jahren zusammenstoßen und zu einer großen elliptischen Galaxie verschmelzen, für die sich der Spitzname Milkomeda eingebürgert hat. Andromeda bewegt sich tatsächlich mit etwa 110 Kilometern pro Sekunde auf uns zu.
Eine 2025 in der Fachzeitschrift Nature Astronomy veröffentlichte Studie hat dieses Bild erschüttert. Die Forscher rechneten rund 100.000 Simulationen mit allen bekannten Messunsicherheiten durch. Das Ergebnis: Eine Verschmelzung innerhalb der nächsten zehn Milliarden Jahre ist nur noch etwa zur Hälfte wahrscheinlich. Genauso gut können beide Galaxien aneinander vorbeiziehen. Die Triangulum-Galaxie M33 erhöht die Kollisionschance, die Große Magellansche Wolke senkt sie.
Selbst ein direkter Zusammenstoß wäre kein Krachen im wörtlichen Sinn. Die Abstände zwischen den Sternen sind so groß, dass kaum zwei davon kollidieren würden. Verändern würde sich vor allem der Anblick des Nachthimmels über einer dann längst unbewohnbaren Erde, denn die Sonne nähert sich in fünf Milliarden Jahren ohnehin ihrem Ende. Über sehr lange Zeiträume fänden die supermassereichen Schwarzen Löcher beider Galaxien zueinander.
Andromeda und Milchstraße im Vergleich
Andromeda und die Milchstraße sind Geschwister, ähnlich gebaut und doch verschieden. Der direkte Vergleich macht die Größenordnungen greifbar.
Durchmesser: Andromeda misst etwa 152.000 bis 220.000 Lichtjahre, die Milchstraße rund 100.000.
Sternenzahl: Andromeda über eine Billion, die Milchstraße 100 bis 400 Milliarden.
Typ: beide sind Spiralgalaxien. Bei der Milchstraße ist die Balkenstruktur gesichert, bei Andromeda umstritten.
Masse: vergleichbar, in der Größenordnung von einer Billion Sonnenmassen. Neuere Schätzungen für Andromeda fallen teils niedriger aus, sodass die Milchstraße sogar massereicher sein könnte.
Zentrales Schwarzes Loch: beide besitzen im Kern ein supermassereiches Schwarzes Loch. Das von Andromeda ist deutlich massereicher als Sagittarius A* im Zentrum der Milchstraße.
Die Andromedagalaxie in der Science-Fiction
Kaum eine andere Galaxie hat die Science-Fiction so geprägt wie Andromeda. Ihr Name ist zum Kürzel für das ferne Fremde geworden. Der bekannteste Namensträger ist Michael Crichtons Roman 'The Andromeda Strain' von 1969, auf Deutsch 'Andromeda, tödlicher Staub aus dem All', in dem ein außerirdischer Mikroorganismus eine tödliche Seuche auslöst. Robert Wise verfilmte den Stoff 1971, 2008 folgte eine Miniserie. Der Name bezieht sich hier auf den Erreger, nicht direkt auf die Galaxie, hat die Verbindung von Andromeda und Bedrohung aus dem All aber tief im Genre verankert.
In Gene Roddenberrys Serie 'Andromeda' (2000 bis 2005) trägt das zentrale Raumschiff den Namen Andromeda Ascendant. Schon 1961 ließen der Astronom Fred Hoyle und der Autor John Elliot in der BBC-Serie 'A for Andromeda' Wissenschaftler ein Funksignal aus einer fernen Galaxie empfangen, das die Bauanleitung für einen außerirdischen Computer enthält, ein früher und kluger Entwurf des Themas Erster Kontakt. In der Original-Serie von Star Trek gilt Andromeda als Heimat der Kelvaner.
Am direktesten greift das Videospiel Mass Effect: Andromeda von 2017 die Galaxie auf. Die Menschheit bricht im Rahmen der Andromeda-Initiative auf, um in M31 neue Welten zu besiedeln. Auch in der Literatur taucht sie als Ziel auf: Alastair Reynolds verwebt die kommende Galaxienkollision in seinem Revelation-Space-Kosmos, Brandon Q. Morris schickt in 'Andromeda: The Encounter' eine Zivilisation auf den Weg zur Nachbargalaxie. In der harten SF bleibt Andromeda meist unerreichbar weit, gerade das macht sie als Motiv so reizvoll.
Ein Signal, das 2,5 Millionen Jahre unterwegs ist
Die Entfernung macht Andromeda zu einem Gedankenexperiment über die Grenzen jeder Verständigung. Würde dort heute jemand ein Signal senden, träfe es erst in 2,5 Millionen Jahren bei uns ein. Eine Antwort wäre nach weiteren 2,5 Millionen Jahren zurück. Ein Dialog über solche Distanzen ist mit Lichtgeschwindigkeit praktisch unmöglich.
Genau hier berührt die Astronomie das Fermi-Paradoxon. Selbst wenn Andromeda voller Zivilisationen wäre, blieben sie für uns stumm, weil die Laufzeiten jede Begegnung sprengen. Andromeda ist damit das vielleicht eindrücklichste Symbol der Science-Fiction für eine Sehnsucht, die an der Physik scheitert: nah genug für den Blick, zu fern für die Reise.
Häufige Fragen
Wie weit ist die Andromedagalaxie entfernt?
Die Andromedagalaxie ist etwa 2,5 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt, genauer rund 2,537 Millionen Lichtjahre oder etwa 765 Kiloparsec. Ihr Licht ist also 2,5 Millionen Jahre unterwegs, bevor es uns erreicht. Damit ist sie die nächstgelegene große Spiralgalaxie unserer kosmischen Nachbarschaft.
Kann man die Andromedagalaxie mit bloßem Auge sehen?
Ja. Mit einer scheinbaren Helligkeit von 3,4 mag gehört die Andromedagalaxie zu den hellsten Messier-Objekten. In einer mondlosen, dunklen Nacht ist sie im Sternbild Andromeda als blasser, länglicher Lichtfleck sichtbar, sogar bei mäßiger Lichtverschmutzung. Ein Fernglas zeigt sie deutlicher.
Wann kollidiert die Andromedagalaxie mit der Milchstraße?
Lange galt eine Kollision in etwa fünf Milliarden Jahren als sicher. Eine Studie in Nature Astronomy von 2025 stuft sie jedoch nur noch als etwa 50:50 wahrscheinlich innerhalb der nächsten zehn Milliarden Jahre ein. Eine Verschmelzung zu Milkomeda ist möglich, aber nicht mehr garantiert.
Wie viele Sterne hat die Andromedagalaxie?
Die Andromedagalaxie enthält schätzungsweise über eine Billion Sterne und damit deutlich mehr als die Milchstraße, die auf 100 bis 400 Milliarden geschätzt wird. Trotz der höheren Sternenzahl ist ihre Gesamtmasse mit der Milchstraße vergleichbar, weil die Anteile Dunkler Materie ähnlich groß sind.
Ist die Andromedagalaxie größer als die Milchstraße?
Nach Durchmesser und Sternenzahl ja: Andromeda misst etwa 152.000 bis 220.000 Lichtjahre und enthält über eine Billion Sterne, die Milchstraße rund 100.000 Lichtjahre und 100 bis 400 Milliarden Sterne. Bei der Gesamtmasse sind beide vergleichbar, neuere Werte stellen Andromedas Vorsprung sogar infrage.
Wie heißt die Andromedagalaxie noch?
Die Andromedagalaxie trägt mehrere Bezeichnungen: Messier 31 (kurz M31) aus Charles Messiers Katalog und NGC 224 aus dem New General Catalogue. Historisch hieß sie auch Großer Andromedanebel, bevor Edwin Hubble 1925 bewies, dass es sich um eine eigenständige Galaxie außerhalb der Milchstraße handelt.
Aus dem Forum
Diskutiere diesen Begriff mit Lesern und Autoren im BuchKnall-Forum.
Im Forum diskutierenDiesen Eintrag zitieren
Andromedagalaxie. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/andromeda-galaxie/ (abgerufen am 01.07.2026).
Verwandte Begriffe