High Life (2018)
Claire Denis' verstörender Arthouse-SciFi über Sträflinge auf einer Mission zu einem Schwarzen Loch, die als Versuchsobjekte für Reproduktionsexperimente missbraucht werden.
Claire Denis, bekannt für sinnliches und forderndes Autorenkino, wagte mit High Life ihren ersten Ausflug ins Science-Fiction-Genre und schuf einen Film, der konventionelle Genre-Erwartungen radikal unterläuft. Robert Pattinson spielt Monte, einen der wenigen Überlebenden auf einem heruntergekommenen Raumschiff, das mit todgeweihten Sträflingen auf ein Schwarzes Loch zusteuert. Die Crew wurde von der Erde als entbehrlich eingestuft und dient der mysteriösen Dr.
Dibs, gespielt von Juliette Binoche, als Material für Fruchtbarkeitsexperimente. Denis erzählt die Geschichte in fragmentierten Zeitsprüngen und lässt den Zuschauer die Isolation und Desorientierung der Figuren körperlich spüren. Der Film verweigert sich jeder Romantisierung des Weltraums: Das Schiff ist klaustrophobisch, die Beziehungen zwischen den Insassen geprägt von Gewalt, Manipulation und unterdrücktem Begehren.
Sexualität und Fortpflanzung werden als biologische Triebkräfte dargestellt, die auch unter extremsten Bedingungen nicht verschwinden, sondern sich in verstörende Formen wandeln. Die Darstellung des Schwarzen Lochs am Filmende vermeidet jedes Spektakel und erzeugt stattdessen ein Gefühl von unausweichlicher Transzendenz. High Life polarisiert: Für die einen ist er prätentiös und abstoßend, für die anderen ein mutiger Gegenentwurf zum optimistischen Weltraum-Abenteuer. Der Film steht in der Tradition europäischer SciFi-Autorenfilme wie Tarkowskis Solaris und Andrei Tarkowskis Stalker, die das Genre als Rahmen für philosophische und existenzielle Fragen nutzen.
Juliette Binoches Dr. Dibs ist eine der ungewöhnlichsten Bösewicht-Figuren des Genres. Sie ist nicht böse aus Grausamkeit, sondern aus einer gebrochenenen, verzweifelten Obsession: Sie will verstehen, ob Fortpflanzung im All möglich ist, und behandelt die Sträflinge als Material für dieses Projekt. Die Beiläufigkeit, mit der sie das tut, ist verstörender als jede explizite Grausamkeit.
Das Schwarze Loch am Ende des Films ist ein konsequentes Bild für das Thema. Ein Schwarzes Loch verschlingt alles, lässt nichts entkommen, auch kein Licht. Monte und seine Tochter steuern darauf zu, nicht weil sie müssen, sondern weil es keine andere Richtung mehr gibt. Denis lässt das offen: Ist das Untergang, Transzendenz oder einfach das Ende? Die Ambiguität ist präzise, weil jede Antwort das Bild des Lebens, das der Film zeigt, anders bewertet.
Für Zuschauer, die High Life suchen: Der Film ist keine leichte Erfahrung. Denis hat erklärt, dass sie SF wählte, weil sie das isolierte Setting brauchte: einen Ort, von dem es kein Entkommen gibt, auf dem die menschliche Natur ohne gesellschaftliche Kontrolle sichtbar wird. Das gelingt. High Life ist kein Unterhaltungsfilm, sondern ein Instrument der Konfrontation.
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High Life (2018). In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/high-life/ (abgerufen am 01.07.2026).
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