Astronomie

Merkur

Kleinster Planet und sonnennächster Himmelskörper, eine Welt der Extreme mit 430 °C Tagseite und −180 °C Nachtseite.

Merkur
NASA/Johns Hopkins APL/Carnegie Institution, MESSENGER, Farbmosaik von Merkur, 2011

Merkur ist der kleinste Planet des Sonnensystems und der sonnennächste, mit einer Oberflächentemperatur, die zwischen 430 °C auf der Tagseite und −180 °C auf der Nachtseite schwankt. Er besitzt fast keine Atmosphäre, ist von Kratern übersät und sieht dem Mond ähnlich. Ein Merkurtag (Sonnenaufgang zu Sonnenaufgang) dauert 176 Erdtage, länger als sein Merkurjahr von 88 Tagen.

In der Science Fiction ist Merkur ein Ort der Extreme. Kim Stanley Robinson beschreibt in 2312 die Stadt Terminator, die auf Schienen rund um den Planeten fährt und dabei stets in der Dämmerungszone bleibt, dem schmalen Streifen zwischen der glühenden Tag- und der eisigen Nachtseite. Die Schienen dehnen sich durch die Sonnenwärme aus und treiben die Stadt mechanisch vorwärts. Es ist eines der einprägsamsten Bilder der modernen Hard SF.

Isaac Asimov nutzte Merkur in Runaround (1942), einer der Schlüsselgeschichten für die Drei Gesetze der Robotik, wo ein Roboter in einer Endlosschleife um eine Selenpool-Anlage kreist. Arthur C. Clarke beschrieb in Rendezvous mit Rama eine Merkur-Kolonie, die als Vorposten für Sonnenstudien dient. Ben Bova widmete dem Planeten einen Band seiner Grand-Tour-Serie.

NASAs MESSENGER-Mission (2011–2015) kartierte Merkur vollständig und entdeckte überraschenderweise Wassereis in permanent beschatteten Kratern an den Polen.

MERCURY-Sonde BepiColombo, ein gemeinsames Projekt der ESA und JAXA gestartet 2018, ist auf dem Weg zu Merkur und soll 2025 dort ankommen. Sie besteht aus zwei Orbitern und wird das Magnetfeld, die innere Struktur und die Oberflächenchemie genauer untersuchen als MESSENGER. Merkurs Magnetfeld ist für seine Größe ungewöhnlich stark, rund ein Prozent des Erdmagnetfelds, was auf einen noch partiell flüssigen Eisenkern hindeutet. Das ist für einen so kleinen, alten Planeten überraschend.

Der Kern des Merkur macht rund 85 Prozent des Planetenradius aus, ein ungewöhnlich großes Verhältnis. Die führende Erklärung ist ein früher Rieseneinschlag ähnlich wie auf der Erde, der den Mantel wegschleuderte und einen kernlastigen Körper hinterließ. Alternativ könnte intensive Sonnenstrahlung in der Frühphase des Sonnensystems die äußeren Schichten verdampft haben.

Für Science-Fiction-Autoren hat Merkur ein Alleinstellungsmerkmal unter den Innenplaneten: Er ist der extremste. Kein anderer Planet hat so große Temperaturschwankungen, so eine seltsame Tag-Nacht-Dynamik, so wenig Atmosphäre und so starke Solarstrahlung. Kim Stanley Robinsons Terminator-Stadt in 2312 ist die klügste Antwort, die die Literatur auf diese Extreme gefunden hat: Nicht die Extreme bekämpfen, sondern mit ihnen tanzen.

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Merkur. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/merkur-planet/ (abgerufen am 01.07.2026).

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