Xenologie

San-Marino-Skala

Die Rio-Skala bewertet empfangene Signale, die San-Marino-Skala bewertet das Risiko unserer eigenen Sendungen ins All, von 1 (harmlos) bis 10 (hochriskant).

Die San-Marino-Skala wurde 2005 von Ivan Almar in der Republik San Marino vorgestellt und 2007 in Acta Astronautica gemeinsam mit H. Paul Shuch publiziert. Das SETI Permanent Committee der IAA adoptierte sie offiziell auf seiner Tagung in Hyderabad (Indien) im September 2007.

Die Berechnung kombiniert zwei Faktoren: Die Signalintensität relativ zum Sonnenflux (0–5, wobei 5 eine Sendeleistung von mehr als dem 100.000-fachen des Sonnenflux bedeutet) und die Art der Nachricht (1 für ein Leuchtfeuer ohne Inhalt bis 5 für eine absichtliche Antwort auf ein empfangenes außerirdisches Signal).

Anwendungsbeispiele: Das Arecibo-Radar für Asteroidenvermessung (unbeabsichtigte Abstrahlung ins All) liegt bei San-Marino 3–4. Die Arecibo-Nachricht von 1974 (gezielte, einmalige Sendung) bei etwa 6. Eine leistungsstarke, dauerhafte Sendung als Antwort auf ein bestätigtes ETI-Signal würde 8–10 erreichen.

Die Skala wurde entwickelt, weil die METI-Debatte einen objektiven Maßstab brauchte: Statt pauschal 'gefährlich' oder 'harmlos' zu sagen, erlaubt sie eine differenzierte Risikobewertung jeder einzelnen Transmission.

Gerade die Existenz der San-Marino-Skala neben der Rio-Skala verdeutlicht, dass die Menschheit zwei grundverschiedene Risiken im Umgang mit dem Kosmos abwägen muss. Die Rio-Skala bewertet, wie aufgeregt wir über ein empfangenes Signal sein sollten, während die San-Marino-Skala die womöglich folgenschwerere Frage betrifft, wie riskant unsere eigenen Sendungen ins All sind. Ihr Wert ergibt sich klug aus zwei Größen: der schieren Stärke des Signals, die bestimmt, wie weit es überhaupt nachweisbar wäre, und der Art der Botschaft, denn ein zielloses Leuchtfeuer wiegt weniger schwer als eine gezielte Antwort auf ein bestätigtes außerirdisches Signal. Diese Differenzierung ist wertvoll, weil sie die hitzige METI-Debatte aus dem Bereich pauschaler Schlagworte heraushebt und eine sachliche Einordnung jeder einzelnen Transmission ermöglicht. So lässt sich erkennen, dass etwa ein Asteroidenradar zwar laut, aber harmlos ist, während eine bewusste Antwort an eine fremde Zivilisation das höchste Risiko bergen würde. Die San-Marino-Skala ist damit ein nüchternes Instrument für eine Entscheidung, deren Tragweite sich kaum überschätzen lässt, und sie zwingt zu der Frage, welche Verantwortung die Menschheit übernimmt, wenn sie das Schweigen aktiv bricht.

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San-Marino-Skala. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/san-marino-skala/ (abgerufen am 01.07.2026).