Sternhaufen
Ansammlungen aus Hunderten, manchmal sogar Millionen gravitativ gebundener Sterne, offene Haufen sind jung, Kugelsternhaufen uralt.
Sternhaufen sind Gruppen von Sternen, die durch gemeinsame Gravitation gebunden sind und zusammen entstanden. Es gibt zwei Haupttypen: Offene Sternhaufen enthalten einige Hundert bis Tausend meist junge Sterne und lösen sich über einige Hundert Millionen Jahre auf (Beispiel: die Plejaden). Kugelsternhaufen enthalten Hunderttausende bis Millionen alter Sterne in einer dichten Kugel und umkreisen als Satelliten die Galaxie (Beispiel: Omega Centauri mit mehreren Millionen Sternen).
In Kugelsternhaufen stehen die Sterne so dicht, dass der Nachthimmel auf einem Planeten dort Tausende heller Sterne zeigen würde, ein permanentes Sternenmeer. Isaac Asimovs Nightfall (1941) spielt auf einem Planeten in einem Mehrfachsternsystem, wo Dunkelheit so selten ist, dass ihr Eintreten die Zivilisation zerstört, ein Szenario, das in einem Sternhaufen noch extremer wäre.
Für die Astrobiologie sind Kugelsternhaufen problematisch: Die hohe Sterndichte bedeutet häufige gravitationale Störungen, die Planetenbahnen destabilisieren. Gleichzeitig könnten die kurzen interstellaren Abstände (Bruchteile eines Lichtjahres) interstellare Reisen trivial machen. Greg Egan und Alastair Reynolds haben Kugelsternhaufen als Settings genutzt.
Die Milchstraße besitzt etwa 150 bekannte Kugelsternhaufen, die meisten älter als 10 Milliarden Jahre, Relikte aus der Frühzeit der Galaxie.
Omega Centauri, der größte bekannte Kugelsternhaufen der Milchstraße, enthält rund 10 Millionen Sterne und hat einen Durchmesser von 150 Lichtjahren. Von der Südhalbkugel aus ist er mit bloßem Auge sichtbar. Manche Astronomen vermuten, dass Omega Centauri der überlebende Kern einer zwerglichen Galaxie ist, die vor Milliarden Jahren von der Milchstraße verschluckt wurde. Im Zentrum sitzt vermutlich ein mittelgroßes Schwarzes Loch von rund 40.000 Sonnenmassen.
Für Astrobiologie sind Kugelsternhaufen ambivalent. Die alte, metallizitätsarme Sternpopulation (kaum schwere Elemente) macht gesteinsartige Planeten seltener als in der Milchstraßenscheibe. Gravitationale Störungen durch benachbarte Sterne destabilisieren Planetenbahnen. Gleichzeitig sind die interstellaren Abstände in dichten Kugelsternhaufen so klein, dass ein Raumschiff mit einem Bruchteil der Geschwindigkeit nötig wäre, die für Reisen im Außenbereich der Galaxie gebraucht würde. Greg Egan nutzte in Incandescence die Vorstellung einer Zivilisation, die in einem dichten Sternhaufen entstanden ist und Physik komplett anders versteht, weil Gezeitenkräfte zu ihrem Alltag gehören.
Offene Sternhaufen haben eine andere Geschichte. Die Plejaden, der bekannteste offene Haufen, sind nur 444 Lichtjahre entfernt und werden über die nächsten 250 Millionen Jahre durch Gravitationsstörungen auseinanderdriften. In Kulturen weltweit haben die Plejaden in Mythologien Spuren hinterlassen, etwa bei den griechischen Seenymphen und den australischen Aborigines. Für die SF sind offene Haufen Brutkasten-Szenarien: viele junge Sterne auf engem Raum, potenziell mehrere bewohnbare Systeme in Rufweite.
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Sternhaufen. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/sternhaufen/ (abgerufen am 01.07.2026).
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