The Wandering Earth
Chinesischer Blockbuster von 2019, in dem die Menschheit die gesamte Erde aus dem Sonnensystem steuert, um einer sterbenden Sonne zu entkommen.
The Wandering Earth (2019), basierend auf einer Kurzgeschichte von Liu Cixin, war der Film, der chinesische Science-Fiction auf die Weltkarte setzte. Mit einem Budget von etwa 50 Millionen Dollar spielte er über 700 Millionen ein und wurde zum vierterfolgreichsten nicht-englischsprachigen Film aller Zeiten.
Die Prämisse ist spektakulär: Die Sonne wird zum Roten Riesen, und statt die Erde zu verlassen, beschließt die Menschheit, die gesamte Erde mitzunehmen. 10.000 gigantische Fusionstriebwerke werden auf der Erdoberfläche gebaut, die den Planeten aus seiner Umlaufbahn und auf eine 2.500-jährige Reise zum nächsten geeigneten Stern, Proxima Centauri, beschleunigen. Die Erdrotation wird gestoppt, die Oberfläche wird unbewohnbar, und die Menschheit lebt in unterirdischen Städten.
Der Film zeigt den Jupiter-Vorbeiflug, bei dem die Erde beinahe von der Gezeitenkraft des Gasriesen zerrissen wird. Die Rettungsmission, bei der Jupiters Wasserstoffatmosphäre entzündet wird, um die Erde wegzustoßen, ist wissenschaftlich fragwürdig, aber visuell überwältigend.
'The Wandering Earth II' (2023) ist ein Prequel und erzählt die Vorgeschichte: den politischen Kampf um das Projekt, die Konstruktion der Triebwerke und die moralischen Dilemmata einer Menschheit, die vor einer existenziellen Bedrohung steht. Andy Lau spielt eine der Hauptrollen.
Die Filme repräsentieren eine dezidiert chinesische Perspektive auf Science-Fiction: kollektives Handeln statt individueller Heldentat, die Menschheit als Ganzes statt einzelner Protagonisten, und eine Lösung, die Jahrtausende dauert und generationenübergreifendes Denken erfordert.
Liu Cixins Kurzgeschichte, auf der der Film basiert, ist kälter und minimalistischer als das, was der Film daraus macht. Liu beschreibt das Ende der Sonne mit der sachlichen Distanz eines Physik-Lehrbuchs, und die menschlichen Reaktionen sind Nebensache. Frant Gwo, der Regisseur, hat die Geschichte emotionalisiert und spektakulär gemacht: Der Film ist eine chinesische Actionproduktion mit großen Gefühlen, nicht ein Autorenfilm.
Der globale Erfolg des Films hat eine kulturelle Verschiebung markiert. Chinesische SF-Blockbuster existieren seit den 2010er Jahren, aber The Wandering Earth war der erste, der international wahrgenommen wurde. Er zeigte, dass das Genre keine westliche Erfindung ist, sondern einen globalen Resonanzraum hat. Liu Cixin hatte das mit seinen Büchern bereits demonstriert; der Film bewies es kinematographisch.
Das Konzept der Stellar Engine, ein Antrieb, der einen ganzen Planeten oder ein ganzes Sternensystem bewegt, ist ein echtes SF-Konzept. Der Shkadov-Thruster, vorgeschlagen von Leonid Shkadov 1987, nutzt die Strahlung eines Sterns, um ihn langsam zu verschieben. Liu Cixins erdgebundene Version ist physikalisch anders konstruiert, aber in derselben megascale-Tradition der SF.
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The Wandering Earth. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/wandering-earth/ (abgerufen am 01.07.2026).
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